Was ist vom westlichen Ritus zu halten?

Von Father Peter Kavanaugh (AWRV), veröffentlicht am 24. Januar 2017.

Aus dem Englischen übersetzt.

Als ich zum ersten Mal in eine Westritus-Gemeinde ging, … [Fortsetzung folgt] Was soll man vom westlichen Ritus halten? Von Father Peter Kavanaugh (AWRV), veröffentlicht am 24. Januar 2017. Aus dem Englischen übersetzt. Als ich das erste Mal eine Pfarrei des WR betrat, wäre ich fast mitten im Gottesdienst hinausgegangen. „Was ist das?“ „Es ist so westlich!“ „Das kann nicht orthodox sein …“ Dies waren die Gedanken, die mich beschäftigten, als ich der Gemeinde beim Singen der gregorianischen Melodien folgte und sie vor dem Altar knien sah. Ich war mehrere Jahre zuvor in die Kirche aufgenommen und gefirmt worden und hatte die Orthodoxie nur in ihrer östlichen Form erlebt. Obwohl ich ein paar Hinweise auf den „WR“ gehört hatte, war das selten positiv. Der Gedanke an irgendetwas Westliches kam mir im Grunde als schlechte Idee vor, und wie so viele Menschen habe ich mir nie die Zeit genommen, diese Annahmen im Lichte der Geschichte und Theologie unserer Kirche zu untersuchen.

Einen Monat vor dem Betreten der St. Patrick WR-Mission in Bealeton, VA, war ich gerade von einem langen Aufenthalt in Griechenland zurückgekommen. Ich hatte in einem Kloster auf dem Berg Olymp gelebt, durchdrungen von der Majestät und Mystik eines griechischen Klosters. Im wahrsten Sinne des Wortes war es eine Bastion der byzantinischen Kultur, Kunst und Spiritualität und in mehr als einer Hinsicht ganz anders als diese kleine WR-Gemeinde in Virginia. Sie können sich also den Schock vorstellen, den ich hatte, als ich mich in einer orthodoxen Kirche befand, die die Liturgie des heiligen Gregors verwendete, Hymnen mit vierstimmiger Harmonie sang und hier und da ein paar lateinische Sätze einfügte. Dies war nicht der einzige Schock, den ich hatte. Trotz des äußerlichen Unterschieds zwischen den beiden Riten blieb der Geist derselbe. Irgendwie war in dieser Versammlung in Virginia dieselbe Seele, derselbe Herzschlag, dem ich hoch oben auf dem Olymp begegnet war.

Was ist der westliche Ritus? Ist er legitim? Ist er wichtig in Amerika? Dies sind die Fragen, die ich in meiner persönlichen Reise durcharbeiten musste, und ich möchte die Antworten, die ich in diesem Artikel gefunden habe, mit Ihnen teilen. Ich habe gesehen, wie dieser Ritus für gelegentliches Augenbrauenhochziehen gesorgt hat. Er weckt Hoffnung und Freude bei den einen, Ablehnung und Sarkasmus bei den anderen und sicherlich bei allen eine Menge Fragen. Heute bin ich Priester einer Gemeinde im westlichen Ritus und habe in diesem Ritus eine wirkliche Heimat gefunden, wie so viele andere. Aber es war ein langer Weg, bis ich zu dieser Erkenntnis kam. Die westliche Orthodoxie zwang mich zu einer gründlichen Erforschung ihrer Geschichte wie Theologie und vor allem meiner eigenen Gefühlen und Vorurteile. Letztendlich hat mir die Auseinandersetzung mit dem westlichen Ritus ein viel umfassenderes Verständnis dafür gegeben, was die orthodoxe Kirche ist und wie ich bereit bin, ihr zu erlauben, mein Leben zu gestalten und zu verändern.

Was ist der westliche Ritus, und ist er legitim?

„Lass dir nie, nie, niemals sagen, dass du, um orthodox zu sein, östlich sein musst. Der Westen war tausend Jahre lang vollkommen orthodox, und seine ehrwürdige Liturgie ist viel älter als jede seiner Häresien. “ 

Johannes von San Francisco [1]
Hl.Johannes von San Francisco feiert den westlichen Ritus

Der westliche Ritus hat eine liturgische Tradition in der Kirche, die die Fülle unseres orthodoxen Glaubens in all unseren Überzeugungen, Dogmen und unserer Spiritualität bezeugt. Seit dem ersten Jahrhundert gedeiht die Orthodoxie in verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Riten. Der westliche Ritus ist der reine Ausdruck der Orthodoxie, wie er uns in Rom und Westeuropa überliefert wurde. Aus einer Reihe von Gründen haben viele orthodoxe Gläubige Fragen zur Legitimität dieses besonderen Ritus gestellt. Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen, um diesen sorgfältig nachzugehen. Obwohl dies nur ein Anfang ist, hoffe ich, nachfolgend einige Fragen und Kritiken zu beantworten.

Der westliche Ritus ist langsam, aber stetig gewachsen und hat sich in den letzten Jahrzehnten besonders gut entwickelt. Er wurde gesegnet und gefördert von den Heiligen Johannes Maximowitsch, Tichon von Moskau, Philaret von Moskau, Raphael von Brooklyn und Nicholas von Japan. Er wurde von modernen Patriarchen in Konstantinopel, Moskau, Antiochien und Rumänien sowie von örtlichen kirchlichen Hierarchen wie den Metropoliten Philip Saliba und Anthony Bashir in der jüngsten Zeit anerkannt und begrüßt. Er wurde weiterhin von großen Namen in theologischen Kreisen wie Vladimir Lossky, Alexander Schmemann, Metropolit Anthony Bloom und vielen anderen gefördert.

In manchen Kreisen ist der westliche Ritus immer noch ein heißes Thema. Um die Worte eines anonymen Seminaristen aus dem Seminar des hl. Tichon aufzugreifen: „Viele orthodoxe Christen westlicher Abstammung finden darin eine Heimat, eine Antwort auf ihre tiefsten Sehnsüchte nach einer „Wiederauferstehung“ des westlichen Christentums und eine Gelegenheit, die westliche Christenheit zurück in den Schoß der Wahren Kirche zu führen. Andere sehen den westlichen Ritus als etwas Fremdes, Irreführendes und Gefährliches an. Sie sehen den westlichen Ritus als eine Innovation und sogar als (potentiell) ketzerisch an.“ [2] Seine Worte enden mit der kernigen Schlussfolgerung: „Nennen wir die Dinge beim Namen.“ Wie können wir mit all dies im Hinterkopf angemessen antworten?

Orthodoxie: Ist sie östliche, westliches oder beides?

Im späten 10. Jahrhundert wurde ein Benediktiner-Kloster von Amalfitanern auf dem Berg Athos gegründet. Dieses Kloster, das am höchsten auf dem Heiligen Berg stand, feierte die römische Messe nach dem heiligen Gregor dem Großen, lebte nach der Regel des heiligen Benedikt und betete in lateinischer Sprache. Sie blieben dort etwa 300 Jahre (bis ins späte 14. Jahrhundert) in harmonischer Gemeinschaft mit ihren anderen Brüdern, den Athoniten. Nach der Vita des hl. Athanasius blühten in dieser Zeit viele andere Mönchsgemeinschaften aus Italien, die ebenfalls den westlichen Ritus verwendeten, auf dem Athos und brachten eine Reihe von Heiligen hervor.

Überreste des Athos-Klosters der Amalfitaner, orthodoxer Benediktiner

Bis zum Zusammenbruch Konstantinopels und dem Anstieg des politischen Drucks sahen orthodoxe Christen nie ein Problem darin, zusammen mit diesen verschiedenen Liturgien und Traditionen Gott zu verehren. Zum Beispiel kam der Ausdruck „Wenn in Rom, [benimm dich] wie die Römer“ aus einem Brief des hl. Ambrosius an den hl. Augustinus aus dem Jahr 390 AD. Darin heißt es:

„Wenn ich nach Rom fahre, faste ich am Samstag, aber hier in Mailand faste ich nicht. Folge auch dem Brauch der Kirche, in die du gehst, wenn du keinen Skandal verursachen oder in einen verstrickt werden willst.“ [3]

Der hl. Ambrosius in einem Brief an den hl. Augustinus

Dies war die Haltung unserer Väter, und wir Orthodoxen tun gut, daran zu denken.

Die Heiligen Kyrill und Methodius werfen ein weiteres Licht auf die traditionelle orthodoxe Haltung gegenüber dem westlichen Ritus. Im 9. Jahrhundert suchten sie beim Papst von Rom um Unterstützung nach für ihre Missionsarbeit in Osteuropa. Sie verbreiteten den orthodoxen Glauben, indem sie sowohl den östlichen Ritus auf Griechisch als auch den westlichen Ritus auf Latein verwendeten. Die Heiligen Kyrill und Methodius starben als römische Geistliche, und in all ihren Schriften äußerten sie nie ein Problem mit ihrem Biritualismus. Für diese Heiligen war der westliche Ritus ein wesentlicher Bestandteil unserer Einen, Heiligen, Apostolischen und Katholischen Kirche.

Die Hll. Kyrill und Methodius, die Slawenapostel, starben als römische Geistliche

Die westliche Messe des heiligen Gregor hat Hunderte orthodoxer christlicher Heiliger hervorgebracht, darunter die hll. Benedikt, Patrick, Columban, Martin von Tours, Leo den Große, Augustinus und noch weitere. Es steht außer Frage, dass die Liturgien, Theologien und Praktiken Westeuropas für den größten Teil des orthodoxen Christenheit ein integraler Ausdruck der Kirche waren. Seit dem Fall von Konstantinopel war ein Großteil der orthodoxen Kirche auf eine Liturgie beschränkt, nämlich die des heiligen Johannes Chrysostomus. Dennoch war dieses Phänomen allen Kirchenvätern völlig fremd.

„Als der Heilige Geist die Herzen und Seelen verschiedener Völker bewegte, reagierte jedes gemäß seiner eigenen Begabung, um unsere gegenwärtigen liturgischen Familien zu entwickeln.“ [4]

Der wahre Geist unserer Kirche und das Zeugnis der Apostel müssen so verstanden werden: Einheit, nicht Einheitlichkeit.

Orthodoxe Heilige im Westen, deren geistliches Leben auf der Liturgie des hl. Gregor von Rom beruhte.

Der westliche Ritus hat eine reiche Geschichte in der Neuzeit und insbesondere in unserem letzten Jahrhundert. Im 18. und 19. Jahrhundert fanden lange und innige Gespräche zwischen Christen westlicher Nationen und orthodoxen Hierarchen statt. Diese Dialoge trugen schließlich Früchte im 20. Jahrhundert, als eine Reihe von Pfarreien des westlichen Ritus mit der orthodoxen Kirche in Gemeinschaft kam. Die größten Gruppen fanden sich anfangs in Polen, in der Tschechoslowakei und in Frankreich (wo der heilige Johannes von San Francisco eine Schlüsselfunktion einnahm und ein begeisterter Unterstützer wurde). Schließlich hat sich mit der Förderung der hll. Johannes, Tichon und Raphael und der vieler Hierarchen der westliche Ritus, den wir heute kennen, auf unserem amerikanischen Boden niedergelassen. Hier feiern eine Vielzahl von Kirchen Gott und spenden die Sakramente in den westlichen Traditionen, die seit den Zeiten des Apostel Petrus überliefert wurden.

Orthodoxe WR-Kirche St. Peter, Fort Worth, Texas.

Ist die Liturgie des westlichen Ritus vollständig orthodox?

Die im westlichen Ritus verwendete Liturgie wurde vom Apostel Petrus geschrieben und vom heiligen Gregor dem Großen kodifiziert. Er hat die Heiligkeit von Hunderten von Heiligen zu fördern. Er wurde von allen Kirchenvätern verehrt und von vielen Heiligen, Hierarchen und Theologen der Neuzeit angenommen. Im 6. Jahrhundert nahm der heilige Gregor der Große die von den Aposteln überlieferte römische Liturgie und stellte sie neu zusammen. Fr. John Connely erklärt:

„Der hl. Gregor überarbeitete die verschiedenen Teile der Liturgie, der Kollektengebete, Briefe und Evangelien; aber die einzige Änderung, die er im Ordinarium vornahm, war die Hinzufügung einiger Worte, die er bei Beda Venerabilis notiert fand [Hist. Eccl. Lib.2, c.I.] ”[5]

Es sind noch Manuskripte aus dem 6. Jahrhundert erhalten, die dieselben Gebete und denselben Dienst aufweisen, den wir Orthodoxen im 21. Jahrhundert gebrauchen.

Vr. Alexander Schmemann hat einmal erklärt:

„Die Einheit des Ritus in der orthodoxen Kirche ist ein vergleichsweise spätes Phänomen, und die Kirche hat die Einheitlichkeit der Liturgie nie als eine unabdingbare Bedingung ihrer Einheit angesehen. Niemand, der die Geschichte des christlichen Gottesdienstes kennt, wird den Reichtum der westlichen liturgischen Tradition, insbesondere der alten und ehrwürdigen römischen Liturgie, leugnen. “[6]

Es besteht keine Frage nach der Echtheit dieses Ritus. Die Kritik an der westlichen Liturgie beschränkt sich auf eine Sache: die Kritik an der Autorität des Heiligen Geistes, die die Kirche im Laufe der Zeit geleitet hat.

Aber es sieht so seltsam aus …

Fr. Connely beantwortet es gut:

„Wenn der westliche Ritus einigen orthodoxen Beobachtern seltsam vorkommt, liegt dies wahrscheinlich an seinem antiken Ursprünglichkeit und seiner Sparsamkeit im Vergleich zu dem hoch entwickelten und ausgearbeiteten Ausdruck des östlichen Ritus.“ [7]

Die Liturgie des hl. Gregor mag für viele orthodoxe Christen tatsächlich seltsam aussehen. Warum ist das? In hohem Maße sieht sie „seltsam“ aus, weil sie aus der Antike stammt. In vielerlei Hinsicht sind die Unterschiede zwischen Ost- und Westriten auf die jüngsten Änderungen zurückzuführen, die in der Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus vorgenommen wurden. Theologisch und spirituell sind die beiden Liturgien im Wesentlichen gleich, und dieser Geist wird lediglich mit einem anderen kulturellen Geschmack ausgedrückt. Es ist wichtig, dass ostorthodoxe Christen die westliche Liturgie respektieren, die im letzten Jahrtausend relativ unverändert geblieben ist. Es war den Kirchenvätern über tausend Jahre lang sicherlich nicht fremd.

Ist der Westen nicht [liturgisch] heruntergekommen?
Gibt es da wirklich noch etwas Heilbringendes?

Es wäre überflüssig, wieder die Worte des hl. Johannes von Schanghai herunterzuleiern:

„Der Westen war tausend Jahre lang vollkommen orthodox, und seine ehrwürdige Liturgie ist viel älter als jede seiner Häresien.“

Die Liturgie der römisch-katholischen Kirche, die bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil verwendet wurde (d. h. die religiösen Zeremonien, nicht die Theologie und Praxis), war seit der apostolischen Zeit rein und authentisch. Dies ist die Liturgie der Apostel und der Kirchenväter. Es gibt genug Gründe, ihre Orthodoxie zu akzeptieren, ohne westliche Popanze zu erfinden. Obwohl im Westen so viel untergegangen ist, ist ein Großteil davon immer noch rein und geistgewirkt. Leider leben wir in einem säkularen Zeitalter, in dem so viele Überreste der westlichen Orthodoxie weggeworfen werden. Umso dringender ist es, dass wir Orthodoxen das retten, was gut ist, was rein ist, was schön in der Kultur unserer amerikanischen Mitbürger ist. Der westliche Ritus gehört zur orthodoxen Kirche und ist seit den Tagen des hl. Petrus bekannt. Es liegt in unserer Verantwortung, das zu schützen und zu pflegen, was Gott uns gegeben hat.

WR-orthodoxe Kirche St. Patrick, Bealeton, Virginia

Aber hat der westliche Ritus nicht unorthodoxe Elemente aufgenommen?

Dies ist wahr, und so hat die Orthodoxie immer funktioniert. Die Kirchenväter entliehen theologische Begriffe (wie Hypostase) von der heidnischen Philosophie. Viele unserer beliebten geistlichen Gewänder haben ihren Ursprung in islamischen Nationen. Vierstimmige Harmonie, Glasfenster, Klerikerragen und der Julianische Kalender stammen alle von nicht-orthodoxen Christen. Das viel gelesene Buch „Der geistliche Kampf“ [von Lorenzo Scupoli, Venedig 1589], das von orthodoxen Leitfiguren, darunter dem heiligen Nikodemus und dem heiligen Theophan dem Einsiedler, veröffentlicht und gefördert wurde, wurde im 16. Jahrhundert von einem römisch-katholischen Mystiker verfasst. Die Kirche hat das Werk genau unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sein Inhalt tief inspiriert und orthodox ist. Als sich die Orthodoxie in Alaska ausbreitete, erlaubte unsere Kirche den Ureinwohnern Alaskas, einige ihrer heidnischen Traditionen fortzusetzen, wie die Verwendung von „Geisterhäusern“ und Räucherzeremonien. Es ist ironisch, dass wir Orthodoxe uns unserer Fähigkeit rühmen, heidnische Traditionen in die Kirche aufzunehmen, während wir zögern, westliche christliche Traditionen anzunehmen. In diesen Momenten ist es wichtig, unsere persönlichen Vorurteile zu prüfen und sie schnell an die Kirche anzupassen.

Ist der westliche Ritus spalterisch?

Einige Orthodoxe in Amerika haben gewarnt, dass der westliche Ritus spalten könnte. Unsere Kirche hier ist bereits fragmentiert. Trägt der westliche Ritus nicht weiter zu dieser Fragmentierung bei? Bringt es nicht noch Verschiedenheit inmitten von so viel Verwirrung? Wenn man genau genug hinschaut, könnte man wahrscheinlich Zeiten finden, in denen der westliche Ritus Fragen der Einheit unter den Pfarreien aufwirft. Aber wenn wir ehrlich sind, werden wir sehen, dass diese Fälle nichts mit dem Ritus selbst zu tun haben. Das gleiche Problem besteht zwischen Griechen und Russen, geborenen und konvertierten Orthodoxen, verschiedenen Jurisdiktionen und so weiter. Diese Spaltungen stammen aus einer Quelle – dem Feind unter uns.

In der Praxis gibt es heute oft einen wunderbaren Dialog zwischen benachbarten Kirchen der östlichen und westlichen Riten. Aber hier ist der springende Punkt: Wenn wir Einheit in der Kirche wollen, muss sie auf Authentizität und Apostolizität beruhen. Wir müssen uns selbst treu bleiben, um zusammen zu stehen. Einheit wird niemals durch die Forderung nach Gleichheit der Riten entstehen (ein Konzept, das dem Geist der orthodoxen Kirche in jedem Jahrhundert und in jeder Kultur der letzten 2000 Jahre völlig fremd ist). In den Worten von P. Paul Meyendorff:

„Wenn wir aus der [Kirchengeschichte] eine Lektion lernen können, dann ist dies, dass die Einheitlichkeit der Liturgie in der Kirche nie die Regel war… Einheit kann nur erreicht werden, wenn diese legitime Vielfalt respektiert wird.“ [8]

Als orthodoxe Christen ist es wichtig, dass wir unsere privaten Meinungen stets mit dem historischen Zeugnis der Kirche in Einklang bringen. Wenn diese Meinungen mit diesem Zeugnis in Konflikt zu geraten scheinen, ist es für uns ratsam, uns selbst zu prüfen. Fr. Nicholas Alford hat einmal klug gesagt:

„Oft kommt diese Opposition [gegen den westlichen Ritus] von Konvertiten westlicher Herkunft, die entschieden haben, dass nie etwas Gutes aus dem Westen kam.“

Wir müssen uns fragen: Beruhen unsere Einwände auf Tatsachen oder Stolz? Beruht unser Verständnis der Kirche auf dem Zeugnis der Kirchenväter und -heiligen oder auf persönlichen Vorurteilen und kulturellem Geschmack? Wir orthodoxen Christen haben ein schönes und vielfältiges Erbe. Es bleibt uns überlassen, es anzunehmen.

WR-orthodoxe Gemeinde St. Patrick, Bealeton, Virginia

Ist der westliche Ritus wichtig?

1961 erklärte Metropolit Anthony Bashir, dass der westliche Ritus aus zwei fundamentalen Gründen wichtig sei. Er bietet sowohl nicht-orthodoxen Christen im Westen als auch orthodoxen Christen aus dem Osten ein unschätzbares Geschenk.

Erstens bietet er westlichen Christen ein Zuhause, die ein reines und authentisches Christentum wünschen. Der östliche „Geschmack“ der Orthodoxie hat viele westlichen Christen unserer Zeit angezogen. Trotzdem hat er aufgrund seiner Fremdheit noch mehr abgeschreckt. Hier im Westen drücken sich Spiritualität und Religion seit Jahrhunderten in unseren eigenen kulturellen Symbolen wie Musikformen und unserer eigenen Sprache aus. So denken und atmen wir. Wenn so viele Heilige, Hierarchen und Theologen Recht haben, dass der westliche Ritus zu 100% orthodox ist, dann ist es eine Tragödie, dass einige davon abgehalten wurden, der Kirche beizutreten, nur weil sie ihre Kultur nicht aufgeben konnten. Der westliche Ritus bietet ein Zuhause für diejenigen, die diese westlichen Traditionen lieben, die vom Heiligen Geist inspiriert wurden und einen Weg zur Erlösung bieten.

Ich erwähnte zuvor, dass ich eschockt war, den gleichen orthodoxen Geist in Bealeton, VA, zu erleben, wie ich ihn in Griechenland erlebt hatte. Ich war von dieser Entdeckung in jeder WR-Pfarrei, zu der ich gehört habe, ähnlich schockiert. Wie erklärt sich das? Der westliche Ritus zieht den Otto-Normal-Amerikaner an und zieht ihn auf natürliche und organische Weise zu Gott. In Griechenland waren die Kirchen voll von einfachen Menschen, die die Musik und die kulturellen Symbole ihres Landes verehrten. Für sie war ihre religiöse Musik, Sprache und Kultur in keiner Weise exotisch oder fremd – sie war einfach vertraut und heimelig. Der westliche Ritus erlaubt es den Westlern, Gott in ihrer eigenen Haut anzubeten.

Zweitens hat der westliche Ritus der orthodoxen Kirche insgesamt etwas zu bieten, insbesondere den im Westen lebenden Orthodoxen, die ein Erbe in osteuropäischen und nahöstlichen Kulturen teilen. Es gibt uns eine stärkere Wertschätzung für das, was es bedeutet, orthodox zu sein. Orthodox zu sein hat nichts damit zu tun, griechisch, russisch, arabisch oder „östlich“ zu sein. Der Westen war weit über ein Jahrtausend lang durch und durch orthodox und bewahrt noch viele Traditionen unverändert und so orthodox wie alle anderen. Wenn der westliche Ritus uns orthodoxen Christen eines zu bieten hat, dann ist Orthodoxie viel tiefer, viel reicher, viel schöner als jede bloße Kultur. Es ist die Gegenwart Gottes auf Erden, wie sie Menschen verschiedener Kulturen und Ethnien erfahren und zum Ausdruck bringen.

„Wir Orthodoxe lehren, dass wir die eine, heilige, katholische Kirche sind. Wir dürfen dann nicht die ganze Welt zwingen, östlich zu werden, um in die wahre Kirche einzutreten und gerettet zu werden! Der Glaube muss einer sein und orthodox, aber sein Ausdruck war immer für alle Völker und Kulturen geeignet, die Christus angenommen haben. “
Vr. Nicholas Alford

WR-orthodoxe St. Benedict Kirche, Fort Worth, Texas (Vater Peter Kavanaughs Kirche)

Sein Vermächtnis und seine Vision

Heute setzt das Vikariat des Westritus das Erbe des Apostels Petrus, des hl. Gregors des Großen, der hll. Kyrills und Methodius‘, des hl. Johannes Maximowitsch und des hl. Tichons, des Erleuchters Amerikas. Unter so vielen Missionsbemühungen in Amerika hat dieser Ritus vielen Männern und Frauen, die Gott in ihren Herzen suchen, erfolgreich den reinen orthodoxen Glauben gebracht. Das Vikariat ist gesegnet, seine Vision fortzusetzen, „auf die Wiedervereinigung der getrennten westlichen Christen mit der Fülle der Orthodoxie hinzuarbeiten, die Katholizität des orthodoxen Glaubens zu bezeugen und die Kirche durch die Wiederherstellung ihres alten und ehrwürdigen westlichen Erbes zu bereichern. “[9] Möge Gott uns die Kraft und den Eifer geben, die notwendig sind, um ihm zu dienen und das Königreich hier auf Erden in jeder Kultur aufzubauen, in der er uns pflanzt!

[1] Alford, Nicholas (2008): “The Orthodox Western Rite.” A 2008 Clergy Symposium Workshop Paper, S. 13.

[2] Anonymous Seminarian (2016): “In Defense of Western Rite Orthodoxy”. provoslavie.ru.

[3] The Phrase Finder. http://www.phrases.org.uk/meanings/when-in-rome-do-as-the-romans-do.html

[4] Turner, Alexander (1962): “The Western Rite: Its Fascinating Past and its Promising Future”, The Word, Vol. 6, No. 4, S. 5.

[5] Connely, John (1995): “Lux Occidentalis: The Orthodox Western Rite and the Liturgical Tradition of Western Orthodox Christianity with reference to the Orthodox Missal.” Saint Luke’s Priory Press, Stanton, NJ, S. 13.

[6] Schmemann, Alexander (1958): “Notes and Comments: The Western Rite.” St. Vladimir’s Theological Quarterly, Vol. 2, No. 4, S. 37f.

[7] Connely, John (1995): “Lux Occidentalis: The Orthodox Western Rite and the Liturgical Tradition of Western Orthodox Christianity with reference to the Orthodox Missal.” Saint Luke’s Priory Press, Stanton, NJ, S. 12.

[8] Clapsis (2014): “Tradition: An Orthodox-Ecumenical View.” Unpublished Notes, S. 26.

[9] Anderson, Benjamin: “A Short History of the Western Rite.” http://www.antiochian.org/western_rite_links