Vr. Alexander Schmemann und der WR

Von Vr. Michael Keiser, veröffentlicht am 16.05.2018
Aus dem Englischen übersetzt.

Vr. Alexander Schmemann (1921-13.12.1983)
Quelle: Archdeacon Kirill Sokolov, webmaster of schmemann.org 

Vr. Alexander Schmemann und der westliche Ritus Im Juni 1981 wurde ich von meiner ersten Gemeinde, einer Gemeinde mit byzantinischem Ritus in Oklahoma, zu meiner zweiten Gemeinde, St. Andrew der Erstberufene in Florida, versetzt. Meines Wissens war ich der erste Priester mit orthodoxer Seminarausbildung, der in einer Kirche im westlichen Ritus diente, und das Ergebnis war keine kleine Diskussion. Ich verlor meinen Beichtvater, der davon überzeugt war, dass ich irgendwie aufgehört hatte, orthodox zu sein, obwohl wir uns seitdem versöhnt haben. Andere Freundschaften wurden auf Eis gelegt, und es gab unzählige sarkastische Äußerungen und Witze über den Mickey-Mouse-Western-Ritus, „denn es ist gut und angenehm, wenn Brüder in Einheit leben“.

Viele von ihnen haben sich zuvor und danach auf einen Artikel in St. Wladimirs theologischer Quartalsschrift über den westlichen Ritus bezogen, der von Vr. Alexander [Schmemann] stammt und den die meisten Leser durch ihre eigene Linse sahen, während sie gleichzeitig nichts über den Kontext seiner Ausführungen wussten. Vr. Alexander wurde in Paris ausgebildet, und dies ist einer der Orte, an denen der westliche Ritus seinen Anfang nahm. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs genehmigte die Heilige Synode von Moskau die Verwendung des westlichen Ritus, und die einzige WR-Gemeinde überlebte die deutsche Besetzung kaum. Danach gab es Versuche, sich neu zu organisieren, aber die organische Verbindung zu Moskau ging in der Nachkriegspolitik des Kalten Krieges verloren. Dies ist nicht der richtige Ort, um in die Geschichte dieser Bemühungen einzusteigen, die im Extremfall wie ein donquichothaft ausgesehen haben müssen, aber sie wurden von zwei Russen angeführt, Maxim und Evgraph Kovalesky, die trotz ihres eigenen Hintergrunds in der russischen Kirche ursprünglich den WR in Frankreich wiederhergestellt sehen wollten. Dies nahmen sie also in Angriff. Evgraph wurde schließlich zum ersten Bischof geweiht, während Maxim sich um die Musik kümmerte.

Das erste Problem, das gelöst werden musste, war die Gottesdienstform. Sie entschieden sich für die Liturgie von St. Germain aus dem neunten Jahrhundert, die ihrer Meinung nach unbestritten zur französischen Tradition gehörte. Das Problem bestand darin, dass sie nur in Umrissen mit fehlenden Teilen und ohne Rubriken dazu, wie sie durchgeführt werden sollte, existierte. Also haben sie sie ergänzt, basierend auf Traditionen, die in anderen Kirchen gemacht wurden, einschließlich ihrer eigenen. Als sie zu einer Stelle im Ritus kamen, an der etwas fehlte, griffen sie auf ihre Mutterkirche zurück und entliehen Passagen aus der Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus, wie den Cherubischen Hymnus, die inständige Litanei und andere solche Teile der östlichen Liturgie. Es war, als würden Sie die Teile verschiedener Riten in einen Mixer geben und den Startknopf drücken. Was herauskam, war das, was herauskommen musste.

Das Ergebnis war weder östlich noch westlich, sondern wöstlich, also ein hybrider Ritus, der zusammengeflickt zu sein schien. Dies gefiel fast niemandem, der orthodox war, ganz bestimmt niemandem in der St. Sergius Akademie, wo Vr. Alexander wirkte, und es erweckte großes Misstrauen in Bezug auf die Integrität ihrer Bemühungen. Liturgie war keine Spielewiese. Dies ist der Hintergrund zu Vr. Alexanders Ausführungen in seinem Artikel.

Das Ergebnis war der Artikel von 1958[1], auf den sich einige stürzten, um jeden Versuch zu verurteilen, die westliche Liturgie wieder in den Kontext des orthodoxen Glaubens und der Frömmigkeit zu bringen. Ich glaube, Vr. Schmemann wurde einmal zitiert mit dem Ausspruch: Wenn man vierzig ex-anglikanische Geistliche ordiniert, bekommt man vierzig verschiedene westliche Riten. Er kannte sicherlich seine Anglikaner und war fast ein Prophet. Der westliche Ritus, in den ich 1985 eintrat, hinkte jahrelang mit einer Vielzahl von liturgischen Praktiken und Frömmigkeiten, die geradezu anglikanisch wirkten. Die Geistlichen hatten kaum eine Ausbildung, die über das hinausging, was sie als Episkopale gelernt hatten, und die Leute waren hauptsächlich darum bemüht, von der ECUSA wegzukommen, anstatt an ihrem Bestimmungsort zu gelagen. Wir haben einmal eine Gemeinde in Athen (Georgia) aufgenommen, die es, wie sich herausstellte, gar nicht gab, für die wir jedoch einen Priester geweiht hatten, der umgehend zu den Griechen wechselte. Es war alles sehr chaotisch und wurde mit Belustigung und Verachtung verfolgt. Diejenigen im westlichen Ritus, die sich jetzt darüber beschweren, wie die Dinge gemacht werden, sollten die Vergangenheit studieren. Es war eine lange Übung, um im übertragenen Sinn alle auf die gleiche Seite des Gesangbuchs zu bringen. Tatsächlich hätte es geholfen, überhaupt ein Gesangbuch zu haben.

Ich war ungefähr ein Jahr in Eustis, Florida, als ich irgendwo in Kanada zu einem Treffen der Erzdiözese reiste und als einer von zwei Geistlichen dazu bestimmt wurde, Vr. Alexander in einer Limousine am Flughafen abzuholen. Ich habe keine Ahnung, warum ich ausgewählt wurde, weil ich ihn weder je gesehen noch mit ihm gesprochen hatte, seit ich das gemacht hatte, was oft als „Der Wechsel“ bezeichnet wirde, als hätte ich eine liturgische Menopause durchgemacht. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Er war in meiner ersten Gemeinde gewesen und hatte freundlich gewirkt – aber hatten viele andere auch gewirkt. Auf dem Weg zum Hotel (und mit anderen im Auto) blieb das Gespräch allgemein. Als wir im Hotel ankamen, wurde es schnell spezifisch. Ich brachte den großen Gelehrten zur Rezeption, um ihm seinen Schlüssel zu holen und sicherzustellen, dass er ordnungsgemäß eingecheckt hatte. Daraufhin nahm er seinen Schlüssel vom Thresen, wandte sich an mich und sagte: »Mein Zimmer, in fünf Minuten.« Zum Glück hatte ich genug Unterwäsche zum Wechseln mitgebracht.

Ich rannte in mein Zimmer, um das wenige Material zu holen, das wir hatten. Es war erbärmlich. Wir hatten keine Gottesdienstbücher, keine Gesangbücher – nichts als lose Blätter mit dem Text des Gottesdienstes, und oftmals auch keine guten. Er hatte seine Tür offen gelassen, und ich war so nervös, dass ich mich unterhielt, als ich hereinkam, bis eine Stimme von imperialem Ausdruck donnerte: „Hör auf mit diesem Unsinn! Du weißt, ich vertraue dir bis jetzt. Also, was kann ich tun, um zu helfen? “ Ich heulte fast. Danach habe ich es.

So entstand die Idee, dass er im nächsten Jahr in meine Pfarrei kommen und einwöchigen Exerzitien für die unmittelbare Umgebung durchführen sollte, zu der hoffentlich alle Orthodoxen kommen würden. Die Geschichte ist fast antiklimaktisch: Er kam, er sah, eroberte. Es war sein gewohnt witziges, artikuliertes, charismatisches Selbst. Angeblich war sein Thema Beichte und Kommunion. In Wirklichkeit lautete sein Thema: „Es ist in Ordnung, Leute – entspannt euch.“ Im Großen und Ganzen taten sie es. Er vergnügte sich ungemein, sang genüsslich alte und moderne Hymnen, half anderen orthodoxen Geistlichen, ihren Weg durch die Gottesdienste zu finden, sprach über die alten Tage der Treffen von St. Alban und St. Sergius und sprach mit anderen Geistlichen über die Legitimität dessen, was war los. Für mich war die erste Messe bei der heiligen Kommunion der letzte Punkt. Ich hatte ihm gesagt, ich würde den Subdiakon herunterschicken, um ihm mitzuteilen, wann er zu empfangen sei. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich beiseite treten und ihm zu ermöglich zu kommunizieren. Als ich mich umdrehte, um die Worte zu sagen: „Siehe, das Lamm Gottes“ hielten Vr. Alexander und andere, die vor mir knieten, die rechte Hand vor der linken, was wir als „anglikanischen Stil“ bezeichnen würden, um den Leib Christi von mir zu empfangen. Ich hätte ihn genau dort beinah fallen gelassen.

So endet das Abenteuer von „Mike und Alex dem Großem“: Die Geschichte zweier orthodoxer Priester mit unterschiedlichem Hintergrund zeigt, dass die Kirche mehr als die Summe ihrer Teile ist. Wenn Sie das nächste Mal hören Sie, Vr. Schmemann habe sich dem WR widersetzt, verweisen Sie darauf.  

Anmerkungen:
[1] Gemeint ist folgender Artikel von A. Schmemann: The Western Rite, in: St. Vladimir’s Seminary Quarterly, Vol. 2 – New Series, No. 4, F1958, S. 37f. https://www.schmemann.org/byhim/westernrite.html Die dortige kritische Sichtweise hat Schmemann somit später nicht mehr aufrecht erhalten.
Mehr unter A. Schmemann: The Liturgical Problem.