„Orthodoxie für alle. Zur Katholizität der orthodoxen Kirche“

Von Father Patrick Cardine (AWRV)

Vortrag auf der „Versammlung der Antiochenischen Erzdiözese
der USA“, zuletzt vom Autor redigiert am 28.11.19

Mit dem Segen und der freundlichen Genehmigung
des Verfassers aus dem Englischen übersetzt von Br. Raphael*

[Es handelt sich in leicht abgwandelter Form um das Skript zu folgendem Video:]

„Wir Orthodoxe lehren, dass wir die eine, heilige und katholische Kirche sind. Wir dürfen nicht die ganze Welt zwingen, östlich zu werden, um gerettet zu werden! Der Glaube muss einer sein und orthodox, aber seine Ausdrucksformen haben sich immer den Kulturen und Völkern angepasst, die Christus angenommen haben.“ – Metropolit Anthony Bashir

Metropolit Anthony Bashir (-1966) AOP

Wie viele Menschen innerhalb und außerhalb der orthodoxen Kirchen setzen heute Orthodoxie mit „östlich““, „byzantinisch“, „griechisch“ oder „slawisch“ gleich?

Metropolit Anthony Bashir seligen Angedenkens warnte uns eindringlich davor, orthodox nicht mit östlich zu verwechseln. Vielmehr bestand er auf der Katholizität unseres apostolischen Glaubens in seinen verschiedenen Formen und Ausdrücken.

Und er sprach nicht allein über ethnische Zugehörigkeit und kulturelle Bräuche, sondern über die liturgischen Riten der universalen Kirche.

Vr. Alexander Schmemann (1921-1983)

Vater Alexander Schmemann drückte dieselben Gedanken aus, als er schrieb:

„Die Einheitlichkeit der Riten in der orthodoxen Kirche ist ein vergleichsweise spätes Phänomen, und die Kirche hat liturgische Uniformität niemals als eine wesentliche Bedingung ihrer Einheit erachtet.“

Vr. Johannes Baron von Meyendorff
(1926-1993)

Ähnlich Vater John Meyendorff:

„Die orthodoxe Kirche hat ihre Liturgie niemals so betrachtet, als müsse sie in den kulturellen Formen vom Byzanz des zehnten Jahrhunderts ein für allemal eingefroren sein.“

Wie diese und andere Liturgiewissenschaftler oft gezeigt haben, ist die Vielfalt der liturgischen Formen in der Kirche normativ und sollte kein Grund zur Sorge sein. Die Verschiedenheit wurde immer als ein Werk des Heiligen Geistes verstanden.

Eine der gefährlichsten Versuchungen, denen wir Orthodoxe heutzutage gegenüberstehen, ist die Tendenz, den orthodoxen Glauben gemäß anti-westlicher Gesinnung zu definieren.
Wenn wir „orthodox sein“ mit „unwestlich sein“ gleichsetzen, degradieren wir die Orthodoxie zu einer reaktionären Gruppe, die sich durch das definiert, wogegen sie sich wendet. Wir laufen auch Gefahr, die katholische orthodoxe Kirche zu einer kulturellen Angelegenheit abzuwerten und unsere Mission gegenüber allen Völkern an allen Orten und zu allen Zeiten zu verraten.

Die Identifikation der orthodoxen Kirche mit einer bestimmten Ethnie, Kultur und einem bestimmten Land wurde 1872 unter dem Namen Ethnophyletismus verurteilt. Wenn wir die Orthodoxie ausschließlich mit der östlichen Tradition identifizieren, sind wir dann nicht zumindest vom Geist des Ethnophyletismus bedroht?

Der Westen war einst orthodox, doch entfremdete er sich von seinem orthodoxen Erbe. Indem die Orthodoxie ihrer westlichen Tradition als tragisches Ergebnis eines Schismas beraubt wurde, führte dies zur Verdunkelung ihrer Katholizität.

Westliche Buchmaleriei im Ikonenstil

Gott hat in Seiner Bermherzigkeit die Fülle des Glaubens in der östlichen orthodoxen Kirche bewahrt – nicht weil sie östlich ist, sondern weil Er barmherzig ist. Die orthodoxe Kirche ist nicht mangelhaft, aber sie ist ärmer durch den Verlust ihrer westlichen Ausdrucksformen.

In diesen Tagen erleben wir ein Werk Seiner Gnade, insofern Gott der orthodoxen Kirche das wiedergibt, was ihr zu Recht gehört und was sie bereichern wie auch ihre Mission im Westen effektiver machen wird.

V. Rev. Fr. Prof. Paul Schneirla (1916-2014),
Generalvikar der AWRV

Mit den Worten von Vr. Paul Schneirla:

„Der Westritus stellt das normale kulturelle Gleichgewicht in der Kirche wieder her. Der vorschismatische Zustand zwischen Ost und West wird in seiner Gestalt und Potenzialität wiederhergestellt.
Ein erstes Resultat dieser Wiedervereinigung ist, dass die Kirche [erneuert] ihre Katholizität verkündet. Sie zeigt damit, dass sie [auch im wörtlichen Sinn] eine „ökumenische“ Kirche ist und keine Stammesreligion.“ („Die Bedeutung des westlichen Ritus“, in: Das Wort, Vol. 6, 4/1962, S. 2)

Heute wird unsere westliche orthodoxe Tradition
wiederhergestellt – wie sind wir dahin gelangt?

Vor nicht allzu langer Zeit sind viele orthodoxe Völker in den Westen gekommen, um ein besseres Leben zu führen. Diese orthodoxen Einwanderer haben sich in vielerlei Hinsicht in das amerikanische Leben integriert und gleichzeitig ihre Glaubensgemeinschaft als Zufluchtsort erhalten. Diese orthodoxen Gemeinschaften wurden zu östlichen Kulturdenkmälern in der westlichen Landschaft Amerikas.

Mit der Zeit interessierten sich westliche Christen für die Orthodoxie, weil sie diesen orthodoxen Gemeinschaften begegneten, und die orthodoxe Kirche wurde zu ihrer Mission erweckt, ihren Glauben mit dem Westen zu teilen.

In den letzten 30 Jahren waren bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen, als Tausende von Westlern byzantinisch-orthodox wurden. Die Erzdiözese Antiochia leistete Pionierarbeit im Bereich der englischsprachigen Liturgie und der Öffentlichkeitsarbeit für nicht-orthodoxe Amerikaner, und heute sind über 60% unserer Priester Konvertiten.

Bischofsbesuch in der Gemeinde St. Patrick, rechts Vr. Patrick Cardine

Trotzdem stehen wir vor großen Herausforderungen. Wir wachsen nicht mehr so ​​wie früher, und unsere Kinder verlassen die Kirche in alarmierend hohen Zahlen. Der Anteil orthodoxer Christen an der Gesamtbevölkerung ist in den letzten 100 Jahren nicht gewachsen.

Was ist die Zukunft der byzantinisch-orthodoxen Kirche im Westen? Fr. Schmemann warnte uns davor, „eine Gruppe von Exilanten oder ein geistliches und kulturelles Ghetto zu werden, das sich trotz aller Widrigkeiten verewigen will.“ Viele prominente orthodoxe Leitfiguren wie Vr. Schmemann und die hoch aufragende Gestalt des Metropoliten Philip [Saliba, 1931-2014] bestanden darauf, dass wir auf eine einheimische amerikanisch-orthodoxe Kirche hinarbeiten müssen.

In dem von Metropolit Anthony Bashir veranlassten Edikt zum Westritus wies er darauf hin, dass es sehr viele nicht-orthodoxe Christen gebe, die „von unserem orthodoxen Glauben angezogen sind, aber in der spirituellen Welt des östlichen Christentums keine kongeniale Heimat finden konnten“.

Gibt es einen Platz für diese Menschen in der orthodoxen Kirche? Müssen sie in ihrer liturgischen Frömmigkeit und ihrem Ethos östlich werden? Ist es möglich, wirklich vollständig orthodox zu sein und gleichzeitig wirklich vollständig in unserem westlichen christlichen Erbe verwurzelt zu sein?

Nochmals Vater Alexander Schmemann, der schreibt: „Wir behaupten, dass unsere Kirche orthodox oder, einfacher gesagt, die Kirche ist, und dies ist eine erschreckende Behauptung. Denn dies impliziert, dass dies der Glaube für alle Menschen, für alle Länder, für alle Kulturen ist. “

Was ist unsere Aufgabe, und wie erfüllen wir unsere
Mission als im Westen lebende byzantinisch-orthodoxe Christen?

Es gibt mehr als eine Antwort auf diese Frage. Erstens gibt es Gemeinschaften, die überwiegend ethnischer Herkunft sind und in ihrer Muttersprache betreut werden müssen.

Zweitens gibt es jene Gemeinschaften, die eine Vision einer byzantinisch-orthodoxen Kirche innerhalb der amerikanischen Kultur haben. Die Liturgie, das Andachtsleben, die Musik, der Kalender und die Bräuche dieser englischsprachigen Gemeinschaften sind fest im östlichen Ethos verwurzelt, auch wenn die Mitglieder mit amerikanischem Akzent sprechen.

Diese beiden Modelle sind ein Teil der Antwort und bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Hier möchten wir jedoch einen weiteren synergetischen Weg zur Erfüllung unserer Mission im Westen empfehlen.

Dieser dritte Weg ist die Wiederherstellung einer wirklich einheimischen westlich-orthodoxen Tradition, einer Tradition, die ursprünglich die westliche Zivilisation geprägt hat und hier in Amerika verborgen bleibt.
„Wirklich orthodox und doch voll amerikanisch zu sein, scheint die einzig wahre orthodoxe Tradition zu sein. Wie und wo fangen wir dann an? “ – Schmemann

Die Wiederherstellung der westlichen Tradition in der orthodoxen Kirche ist aus zwei Gründen wichtig:

Erstens ist es ein wesentliches Zeugnis unserer Katholizität – d. h., dass Orthodoxie nicht mit einer bestimmten Ethnie, Kultur oder Ethik (byzantinisch, griechisch, slawisch oder östlich) gleichgesetzt werden kann, sondern für alle Länder, Zeiten, Völker und Kulturen da ist.

Zweitens ist unsere Wiederherstellung der westlich-orthodoxen Tradition entscheidend für unsere apostolische Mission, den Westen zu evangelisieren und sie [die Tradition] zu ihrem orthodoxen Erbe zurückzuholen.

Ruinen renovieren

Die Mönche lehren uns, dass wir Christus in unserer Zelle finden müssen. Unsere „Zelle“ oder unser kongeniales Zuhause ist der Westen, und es gibt eine reiche und heilige westlich-orthodoxe Tradition, die für unsere westliche Kultur und Zivilisation wirklich einheimisch ist. Sollen wir diesen verborgenen Schatz außer Acht lassen, der uns gehört und so viele der großen Heiligen der Kirche hervorgebracht hat?

Ruine des lateinischen Benediktiner-Klosters auf dem Athos

Wir haben eine sichtbare Darstellung unseres westlich-orthodoxen Erbes in der Architektur vieler großer Kathedralen, Klöster und Kirchen. Die westliche Tradition mag zerbrechlich und in Verfall sein, aber sollen wir einfach ihre Kirchen und Klöster zusammen mit der Liturgie und dem Ethos des Westens niederreißen?

Dieses westlich-orthodoxe Erbe als Architektur muss zurückgewonnen, wieder aufgebaut und repariert werden. Das Gerüst ist bereits vorhanden, und die Renovierungsarbeiten haben durch die wachsenden WR-Gemeinden, die florieren, ernsthaft begonnen. Wir brauchen die Unterstützung und Fürsprache unserer byzantinisch-orthodoxen Brüder, um die heilige Arbeit zur Wiederherstellung der Mauern fortzusetzen.

Die östlich-orthodoxe Kirche ist in den Westen gezogen und hat die Mission auf sich genommen, ihn zum Glauben der Väter zurückzubringen, zu denselben Vätern, die genau diese Gebäude zur Ehre Gottes errichtet und erbaut haben. Sollen wir sie abreißen? Sie zerstören? Sie ignorieren? Sie gehören uns, unseren Vorfahren und zu unserem eigenen katholischen Erbe. Niemand bestreitet, dass die westliche Tradition der orthodoxen Kirche weitgehend abhanden gekommen ist, aber die Architektur wartet darauf, zurückerobert zu werden.

Die ehrwürdige westliche orthodoxe Tradition schreit nach Wiederbelebung, aber wie wird unsere Antwort sein? Ist die Schaffung einer neuen, hybriden Kultur durch den Import östlicher Traditionen der einzig gangbare Weg, um die Orthodoxie im Westen zu verbreiten? Dies kann Teil der Lösung sein, aber nicht die einzige. Wir müssen uns auch für die vollständige Wiederherstellung eines lebendigen orthodoxen Ausdrucks des westlichen Ritus einsetzen.

Prof. Herbert Arthur Hodges

Die Wiederherstellung unserer Architektur und des geistlichen Gesangs des Westens ist ein wesentlicher Bestandteil der Wiederherstellung des gesamten orthodoxen Westens.

Professor H. A. Hodges schreibt [dazu]:

„Der orthodoxe Glaube muss in Bezug auf das Leben und Denken der westlichen Völker zum Ausdruck gebracht werden können . . . Die westliche Orthodoxie kann nicht nur durch die Gründung von Kolonien orthodoxer Menschen aus dem Osten in westlichen Ländern begründet werden. . . Wahre westliche Orthodoxie wird von leibhaftigen westlichen Menschen, Angehörigen westlicher Nationen, die mit all ihrem westlichen Hintergrund, ihren westlichen Gewohnheiten und Traditionen in den Kreis des orthodoxen Glaubens kommen, gefunden. Dann hätten wir eine Orthodoxie, die wirklich westlich wäre, weil ihre Erinnerung westlich wäre – eine Erinnerung an die christliche Geschichte des Westens, nicht wie der Westen sie jetzt erinnert, sondern durch den orthodoxen Glauben gereinigt und ins rechte Licht gerückt. “

Wir haben bereits ein solides Fundament, Mauern und ein Dach; wir müssen nur den das Gotteshaus bewohnen.

Generalvikar AWRV Edward Hughes

Die westliche liturgische Tradition war [bis zur Liturgiereform] über Jahrhunderte standfest und intakt. Der Generalvikar des antiochenische WR-Vikariats [des AWRV], Erzpriester P. Edward Hughes, sagt dazu folgendes:

„Seit der Zeit des hl. Gregors des Großen (Dialogos) (590–604) blieb der römische Ritus bis in die 1970er Jahre nahezu unverändert. Auch der römische Ritus vor dem hl. Gregor war kaum anders… Ich sage dies, weil einige von uns, insbesondere einige unserer byzantinischen Brüder, sich vorstellen, dass der Westen vor der Spaltung dieselben Gottesdienst-Formulare wie der Osten in Gebrauch hatte.
Tatsächlich waren es die Byzantiner, die ihre Gottesdienstformen radikal veränderten. Der heilige Johannes Chrysostomus hörte nie „Der eingeborene Sohn …“ oder den Hymnus des Cherubinkons. Er trug auch nie einen Sakkos oder eine „byzantinische Mitra“. Wenn er eine moderne byzantinische Bischofsliturgie sehen würde, würde er nicht erkennen, was es überhaupt sein soll.
Wenn demgegenüber der hl. Gregor der Große (Dialogos) oder der hl. Benedikt oder der hl. Leo eine unserer Pfarreien im westlichen Ritus besuchen würden, wären sie zu Hause, wüssten genau, wo sie sich befinden und könnten sogar mitsingen.“

Die verlorene Reliquie

Durch den Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame
beinahe verlorene Reliquie der Dornenkrone Jesu.

Die Wiederherstellung der Orthodoxie im Westen ist in unseren Westritus-Gemeinden, in denen Gemeindemitglieder täglich ein westorthodoxes Leben führen, in vollem Gange. Wenn Sie diese Gemeinschaften besuchen, werden Sie Zeuge vieler Dinge, die tief in der westlichen Kultur verankert sind, aber gleichzeitig vollkommen orthodox sind.

Bischof Basil Essey,
antiochen. Metropolie USA

Dieses reichhaltige liturgische Leben sieht anders aus und klingt anders, aber es ist orthodox – wie Bischof Basil [Essey] betonte:

Orthodoxe, die dem byzantinischen Ritus angehören, wissen, dass die Art und Weise, wie man betet, kein Beweis für irgendetwas ist. Wir waren in Kirchen [z. B. des orientalischen syrisch-orthoxen Patriarchats], und einige von uns haben Verwandte, die diese Kirchen besuchen, die wie unsere aussehen und nach unserer riechen, und wenn Sie zur Kommunion gehen, würde es wahrscheinlich nach unserer schmecken … Die Musik klingt wie unsere Musik. Die Akzente, die die Menschen haben, sind die gleichen, die wir haben, aber es ist nicht unsere Kirche.
Für Orthodoxe ist die Tatsache, dass etwas gleich aussieht und gleich riecht, kein Beweis für irgendetwas. In diesem Sinne werden unsere Gläubigen des byzantinischen Ritus den westlichen Ritus mehr und mehr wertschätzen. Er sieht anders aus, die Gewänder sind anders, der Weihrauch riecht anders, die Worte und die Musik sind anders – und doch ist es dieselbe Kirche.

Der westliche Ritus hat ein reiches liturgisches Leben, genau wie der östliche Ritus, mit seinem eigenen kulturellen Ethos und seiner eigenen Tradition. Unsere Geistlichen tragen westliche Gewänder, unsere Chöre singen den Gregorianischen Choral, und unsere Kirchen sind mit Sakralkunst nach westlicher Tradition geschmückt.

Papst Gregor I., der unter dem Namen „Dialogos“ auch als orth. Heiliger verehrt wird, wird bei der Messe ein Wunder zuteil.

Sie werden die altehrwürdige Messe des hl. Gregors des Großen und die Requiem-Messe für die Toten erleben, die einige der beeindruckendsten musikalischen Vertonungen enthält, die jemals geschrieben wurden. Es gibt die Hochzeitsmesse und die Votivmessen für die Kranken und die Verbreitung des Glaubens. Sie können am Stundengebet des heiligen Benedikt von Nursia teilnehmen, dem vielleicht ältesten Offizium, das ständig in Gebrauch ist. Es gibt auch zahlreiche westliche Andachtsriten, Hochzeitsriten, Taufriten, Litaneien und Prozessionen, Segnungen und Weihen. Die feierlichen Riten der Karwoche und Pascha sind der herrliche Anker für das liturgische Jahr.

Orthodoxe Westritus-Gemeinden folgen ebenfalls dem alten westlichen liturgischen Kalender. Von den wichtigsten liturgischen Jahreszeiten in der Kirche begannen Advent und Weihnachten im Westen und entwickelten sich dort tendenziell stärker als im Osten. Dies zeigt sich bis heute in westlichen Kulturen. Der WR bietet die Möglichkeit, auf die Orthodoxie dieser Jahreszeiten in einer Kultur zurückzugreifen, die sie bereits betont.

Orthodoxe Ikone mit dem hl. Patrick von Irland

Der WR-Kalender stellt die Verehrung vieler orthodoxer Heiliger und Festtage wieder her, die während der Entfremdung von unserem westlichen Erbe fehlten.
Am St. Patrick’s Day, Valentinstag, Allerheiligen, Allerseelen, Aschermittwoch und vielen anderen solchen Tagen wird unsere westliche Kultur durch das Zeugnis unserer WR-Gemeinden, die diese Feiertage feiern, zum orthodoxen Glauben zurückgerufen.

Orthodoxe Christen im Westen haben eine heilige Reliquie wiedergefunden, die so lange begraben und für die orthodoxe Kirche verloren war, dass viele sie vergessen hatten. Aber jetzt wurde dieses heilige Reliquie der westlichen Tradition ausgegraben und in die orthodoxe Kirche zurückgebracht.

Was sollen wir damit machen? Lassen wir sie begraben, weil wir es so lange ohne sie geschafft haben? Bringen wir sie widerwillig in das Allerheiligste, verstauen sie aber im Schrank, der immer noch verstaubt und schmuddelig ist? Oder säubern wir sie und legen sie in ein wunderschönes Reliquiar, verehren sie als heilig und lassen sie leuchten?
Die westliche orthodoxe Tradition ist ein heilige Reliquie, die geborgen wurde und dazu beitragen wird, den Westen in seine eigene heilige Geschichte zurückzuführen. Sie ist ein Geschenk, eine Perle von großem Wert.

Der Westritus ruft Amerika mit der Stimme der Vorfahren zum orthodoxen Glauben. Es ist eine einheimische und sympathische Stimme. Sie spricht mit einem Akzent, der die verborgene Orthodoxie im Westen hervorhebt.

Der WR revitalisiert nicht nur die der westlichen liturgischen Tradition innewohnende Orthodoxie, sondern dient auch dazu, die amerikanische Kultur gegebenenfalls organisch zu taufen und damit den Westlern den Eintritt in die Kirche zu erleichtern. Dies war schon immer das Ablauf-Protokoll für apostolische christliche Missionen.

Die verlorene Tochter**

Stellen Sie sich ein junges Mädchen vor, das verloren ging, als es seiner Mutter weggenommen wurde. Nach vielen Jahren findet die verlorene Tochter, inzwischen eine erwachsene Frau, ihre Mutter und stellt sich vor: „Mutter, ich bin deine verlorene Tochter, und jetzt habe ich dich gefunden!“ Was, wenn die Mutter antwortete: „Ich habe viele Jahre gelebt und gelernt, ohne dich auszukommen, ich kenne dich nicht mehr, ich brauche dich nicht in meinem Leben.“ Dies wäre eine schlimme Antwort.

Was wäre, wenn die Mutter die Tochter willkommen heißen würde, sie aber als Familienmitglied zweiter Klasse in einem Hinterzimmer leben lassen würde? Auch das wäre schrecklich. Das verlorene Kind ist in den Schoß der Kirche zurückgekehrt und sollte mit großer Freude aufgenommen werden. Ein purpurnes Gewand sollte um ihre Schultern gelegt, das gemästete Kalb geschlachtet und eine Feier veranstaltet werden, denn das, was verloren war, wurde gefunden, und das ist eine Freude für die ganze Familie.

Patriarch Alexander III. (Tahan) von Antiochia
(amtierte von 1928-1958)

Am 31. Mai 1958 ermächtigte seine Seligkeit Alexander III., Patriarch von Antiochien seligen Angedenkens, in Absprache mit den Leitern der anderen autokephalen orthodoxen Kirchen Seine Eminenz Metropolit Anthony (Bashir) zur Errichtung des westlichen Ritus in der antiochische Erzdiözese.
Das Folgende ist ein Auszug aus dem Bericht von Metropolit Anthony an die Erzdiözesanversammlung von 1958.

„Mit dem Segen des Patriarchen und nach dem Vorbild anderer orthodoxer Patriarchate haben wir es westlichen Christen ermöglicht, der Kirche beizutreten und alte Formen zu bewahren, die für sie genauso wertvoll sind wie unsere für uns.
In den letzten vierzig Jahren hat die Orthodoxie die westliche Welt wie nie zuvor betreten. Viele Westler haben sich unserer Kirche angeschlossen und unsere östlichen Anbetungsformen übernommen. Andere haben gefragt, warum sie östlich werden müssen, um orthodox zu werden. Ihre französischen, deutschen und englischen Vorfahren waren orthodox, bevor die Päpste sie im 11. Jahrhundert aus der Kirche holten, aber sie waren westlich-orthodox. Unsere Gelehrten und Theologen haben diese Behauptung geprüft und für gerecht und vernünftig befunden. Seit über 20 Jahren haben verschiedene orthodoxe Hierarchen westliche Christen aufgenommen und ihnen gestattet, Riten zu verwenden, die mit ihrer alten orthodoxen Geschichte und westlichen Kultur und Lebensweise vereinbar sind. “

Wie wird die orthodoxe Kirche ihre Mission im Westen erfüllen?

1. Bewahren – Sie kann ihren Fokus auf den Dienst an ethnischen Orthodoxen in ihrer Muttersprachen richten und so dafür sorgen, dass die östlichen Traditionen in einer Art Kulturschutz-Reservat erhalten bleiben.

2. Neu gründen – Sie kann im Westen eine neue „einheimische“ christliche Kultur bilden, die voll und ganz dem liturgischen Ethos des Ostens entspricht, sich jedoch mit einem amerikanischen Akzent ausdrückt.

3. Wiederherstellen – Schließlich kann sie ihre eigene westlich-orthodoxe Tradition wiederherstellen und den Westen durch die Wiedergewinnung der im Westen verborgenen westlichen Tradition wieder in die Kirche einpflanzen.

Es ist keine theoretische Frage, welche dieser drei Optionen verwendet wird. Alle drei sind bereits Realität und Teil unserer apostolischen Mission im Westen. Wir müssen darauf achten, dass diese Arten von Gemeinschaften nicht in Konkurrenz zueinander geraten, sondern für alle wechselseitig Seiten von Vorteil sind, um unsere Mission in Amerika zu erfüllen.

__________________________

* Für etwaige Ungenauigkeiten oder Fehler ist allein der Übersetzer verantwortlich.
** Der Autor, Vr. Patrick Cardine, ist stolzer Vater von fünf Töchtern und einem Sohn. Die Kirche ist zudem grammatisch in vielen Sprachen weiblichen Geschlechts, worauf hier angespielt wird.

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Treffen sich zwei Westriten: Father Patrick Cardine (AWRV) besucht das Kloster von Eisbergen (ROCOR WR)

Summary in English:
WESTERN RITE MEETS WESTERN RITE IN WESTERN GERMANY.
Father Patrick Cardine (AWRV) Visits Monks Of Eisbergen (ROCOR WR)
Last Thursday, the 14th of November, there was a notable visit to Eisbergen: Father Patrick Cardine and his son Patrick Jr. stopped by the ROCOR western rite monastery on their way to the Orthodox monastery in Buchhagen. This was an great honor to the monastery’s community and an informative encouragement.

Am letzten Donnerstag, dem 14. November, kam hoher Besuch nach Eisbergen: Vater Patrick Cardine machte auf der Durchreise zum orthodoxen Kloster Buchhagen (in athonitischer Tradition) mit seinem Sohn Patrick Jr. Halt an der Weser und erwies der Eisbergener Klostergemeinschaft die Ehre.

Von unten nach oben: Sr. Humiliana, Patrick Cardine Jr., Vr. Patrick Cardine, Vr. Abt Thomas, Br. Stephan, Vr. Prior Philipp (Foto von Br. Raphael)

Für Westritus-Insider ist Vater Patrick vom Antiochenisch-orthodoxen Westritus-Vikariat (AWRV) aus den USA kein Unbekannter. Denn seine Liebe und sein Engagement für den Westritus, die in jeder Hinsicht vorbildlich und wegweisend sind, strahlen weit über seine Gemeinde hinaus – ja, sogar bis nach Europa.

In Videos auf Youtube zeigt er die Schönheit der WR-Liturgie, wie sie in seiner um die 150 Seelen großen Gemeinde dank eines herrlichen Chores und zahlreicher Altardiener, darunter mehre Diakone und Subdiakone, gefeiert und gelebt wird.

Auch typographisch wunderbar gesetzte und daher außergwöhnlich ansprechende lateinisch-englische Textbücher zum liturgischen Gebrauch entstehen in seiner blühenden Gemeinde.

Zudem hat der Kirchenchor seiner Gemeinde, den Kerrie Cardine, Vr. Patricks Gattin, leitet, eine CD aufgenommen. Der Erlös aus dem Verkauf kommt wieder der Gemeindearbeit zugute.

Beim gemeinsamen Mittagessen schilderte Vater Patrick eindrucksvoll, wie sehr die meisten Gläubigen, Priester und sogar die Bischöfe des antiochenisch-orthodoxen Patriarchats in den USA das Westritus-Vikariat ihrer amerikanischen Metropolie wertschätzen und unterstützen.

Denn bald 60 Jahre nach seiner Gründung kann jeder den großen Beitrag erkennen, den das AWRV bisher als Brücke in die Orthodoxie für zahlreiche Gemeinden und viele einzelne Suchende geleistet hat.
Ohne das AWRV – das lässt sich zweifellos sagen – hätten hunderte Gläubige nicht den Weg in die Orthodoxie gefunden. Einige wären vermutlich im konfessionellen Niemandsland jenseits von Anglikanismus, Katholizismus und Protestantismus verzweifelt und auf ihrer Suche kirchlich verdurstet. Für viele ist der WR jedoch zum rettenden Hafen der wahren Kirche geworden.

Fest anzupacken und große Projekte umzusetzen, hat Vater Patrick in seinem weltlichen Beruf als Schmied gelernt. Übrigens zog es ihn nach seinen Lehrjahren auf seiner Walz schon einmal durch „good old Europe“, wobei er sich auch einige Monate bei Hammerschmieden in Süddeutschland aufhielt.

Vr. Patrick at work

In seinem Betrieb entstehen wahre Kunstwerke wie etwa dieses originelle Treppengeländer:

Ob es dank höherer Eingebung an den „Berg der Kreuze“, einen bekannten katholischen Wallfahrtort in Litauen, erinnert? Dies wird vermutlich Vr. Patricks „Betriebsgeheimnis“ bleiben.

Doch nicht nur mit dem schweren Hammer, sondern auch mit der feinen Feder kann Vr. Patrick umgegehen. So ist er einer der Autoren des „The Orthodox West“, der Stimme des AWRV in Journalform.

Zudem ist er ein geschätzter und ergiebiger Interviewpartner. Besonders zum Thema Westritus hat er natürlich einiges zu sagen:

Berühmt ist seine Gemeinde St. Patrick ebenfalls für ihre hervorragende katechetische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zu deren highlights gehört regelmäßig die lange Tafel in Vr. Patricks Haus, an der sich leicht bis zu 40 Interessierte zum „young adult dinner“ versammeln.

The happy not-few at the „young adult dinner“ in Fr. Patrick’s house

Man kann die Jugendlichen gut verstehen, denn Vr. Patrick, der früher u. a. in Myanmar (ehemals Birma) das Wort Gottes verkündete, ist mit seiner charmanten, ruhigen und zuhörenden Art ein gewinnender Geistlicher, der unaufdringlich charismatisch für das Evangelium zu begeistern vermag.

Danke an Vater Patrick für seinen Besuch und die Ermutigung, uns als „Pioniere einer anbrechenden Zeit“ zu verstehen!

V. li. na. re.: Vr. Prior Philipp (u.a. Chef de Cuisine), Vr. Patrick Cardine (AWVR), Vr. Abt Thomas (Abbot & Archimandrit ROCOR WR)

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Die Liturgie des hl. Jakobus (sog. Alt-Jerusalemer Liturgie)

Der heimgegangene russ.-orth. Bischof Longin (Talypin), seine paterissa (Hirtenstab) haltend, bei der Feier der Liturgie der Hl. Jakobus in Düsseldorf. 

Es gibt eine Schönheit und Anmut im Einfachen, die wohl gottgefällig ist. Zu oft wird barocke Überladenheit mit Schönheit verwechselt. 
Die – für mich – „schönste“ und würdigste katholische Liturgie habe ich in der Kartause Marienau erlebt.

Hl. Messe (Konventamt) in der Kartause Marienau, dem einzigen Kloster des Kartäuserordens im deutschen Sprachraum.

„Da zog der HERR vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem HERRN voraus.
Doch der HERR war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der HERR war nicht im Erdbeben.
12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der HERR war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
13 Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel.“

1. Könige 19,11-13

Die „schönste“ orthodoxe Liturgie ist – für mich – die Jakobusliturgie, bei der sich die Kirche ihrer Anfänge erinnert und der Bischof ohne Mitra und Enkolpion wie Panagia zusammen mit 12 Priestern zelebriert:

Oder als nicht-bischöfliche Liturgie:

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Russia: Orthodox believers interested in Western Rite Orthodoxy

Please read more here:

Russia: Orthodox believers interested in Western Rite Orthodoxy

and in Russian:
Западное Православие | Western Orthodoxy

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Erzpriester Johannes Nothhaas heimgegangen

Erzpriester Vr. Johannes Nothhaas
25.05.1938 – 14.10.2019
Ewiges Gedenken!

Am Montag, dem 14.10.2019, ist Vater Johannes am frühen Morgen ruhig entschlafen.

Erzpriester Johannes R. Nothhaas war Leiter der Orthodoxen Gemeinde des Hl. Christophorus zu Mainz (Moskauer Patriarchat).
Im Jahr 1991 gründete er als Diakon die orthodoxe Gemeinde in Mainz und baute sie in den folgenden Jahren gemeinsam mit seiner Matuschka Photini auf.

In der Nachfolge seines geistlichen Lehrers Vr. Sergius Heitz war es sein Bestreben, der Verbreitung einer deutschsprachigen und supranationalen Orthodoxie zu dienen.

Am Montag, dem 21. 10. um 9.30 Uhr wird die Liturgie in Mainz gefeiert. Um 12.00 Uhr ist die Aussegnung, um 14.00 Uhr die Beisetzung auf dem Friedhof Mainz Brezenheim.

Ewiges Gedenken!

„Отец Иоанн был человеком искренней и твердой веры, ревностным служителем Церкви Христовой, любящим отцом для своих духовных чад. С его именем связана целая эпоха в истории Православия на германской земле. Будучи учеником и сотаинником приснопамятного протоиерея Сергия Хайца, внесшего большой вклад в развитие церковной жизни в Германии, отец Иоанн стал продолжателем его просветительских и пастырских трудов по распространению православной веры среди немецкого народа.“

14 октября 2019 – Соболезнование управляющего Берлинско-Германской епархией архиепископа Подольского Тихона в связи с кончиной протоиерея Иоанна Нотхаса

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Drei Waffen des Gebetes

Im besonderen Anliegen für eine bedrängte Seele

Sub tuum praesidium

Griechisch:
Ὑπὸ τὴν σὴν εὐσπλαγχνίαν,
καταφεύγομεν, Θεοτόκε.
Τὰς ἡμῶν ἱκεσίας, μὴ παρίδῃς ἐν περιστάσει,
ἀλλ᾽ ἐκ κινδύνων λύτρωσαι ἡμᾶς,
μόνη Ἁγνή, μόνη εὐλογημένη.

Kirchenslawisch:
Подъ твою милость,
прибѣгаемъ богородице дѣво,
молитвъ нашихъ не презри в скорбѣхъ.
но ѿ бѣдъ избави насъ,
едина чистаѧ и благословеннаѧ.

Lateinisch:
Sub tuum praesidium confugimus,
Sancta Dei Genetrix.
Nostras deprecationes ne despicias
in necessitatibus nostris,
sed a periculis cunctis
libera nos semper,
Virgo gloriosa et benedicta.
Amen.

Deutsch:
Unter deinen Schutz und Schirm
fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin.
Verschmähe nicht unser Gebet
in unseren Nöten,
sondern von allen Gefahren
erlöse uns jederzeit,
o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau.

Anmerkung: „Es ist das älteste bekannte Mariengebet, das auf einem ägyptischen Papyrus aus dem 3. Jhd. n. Chr. gefunden wurde.“ (Kathepedia):

„The earliest text of this hymn was found in a Coptic Orthodox Christmas liturgy. The papyrus records the hymn in Greek, dated to the 3rd century by papyrologist E. Lobel and by scholar C.H. Roberts to the 4th century.[1][2][3][4] According to scholar Serafim Seppälä „there are no determinate theological or philological reasons to reject the 3rd century dating.“[5]
The hymn is used in the Coptic liturgy to this day, as well as in the Armenian, Byzantine, Ambrosian, and Roman Rite liturgies. It was part of Sulpician custom that all classes ended with a recitation of this prayer.[6] Besides the Greek text, ancient versions can be found in Coptic, Syriac, Armenian and Latin.[7]
Henri de Villiers finds in the term „blessed“ a reference to the salutation by Elizabeth in Luke 1:42.[7] „Praesidium“ is translated as „an assistance given in time of war by fresh troops in a strong manner.“[8]
The former medieval and post-medieval practice in several dioceses, especially in France, was to use the Sub tuum as the final antiphon at Compline instead of the Salve Regina[7] and in the Rite of Braga where it is sung at the end of Mass.“
(Wikipedia)

Papst Franziskus forderte im Oktober 2018 vor 25.000 Gläubigen auf dem Petersplatz die gesamte Kirche auf, zusätzlich zum Rosenkranz die Schlussbitten an Maria (Sub tuum praesidium) und an den Erzengel Michael (Sancte Michael Archangele, s. u.) zu beten, „um die Angriffe zurückzuschlagen, mit denen der Teufel die Kirche spalten will“. (katholisch.de)

Gebet zum Erzengel Michael

Lateinisch:
Sancte Míchael Archángele,
defénde nos in próelio;
contra nequítiam et insídias diáboli
esto praesídium.

Imperet illi Deus, súpplices deprecámur,
tuque, Prínceps milítiae caeléstis,
Sátanam aliósque spíritus malígnos,
qui ad perditiónem animárum pervagántur in mundo,
divína virtúte, in inférnum detrúde.

Deutsch:
Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampfe!
Gegen die Bosheit und Nachstellungen des Teufels
sei Du unser Schutz.

„Gott gebiete ihm!“, so bitten wir flehentlich.
Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stürze den Satan und die anderen bösen Geister,
die in der Welt umherschleichen,
um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes hinab in die Hölle.
Amen. Halleluja.

Heiligstes Herz Jesu, erbarme dich unser.
Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns.

Anmerkung zu diesem wirkungsvollen Gebetes:
Es kursiert folgende Legende, die Papst Leo XIII. die Entstehung des Gebetes zuschreibt, von dem er anordnete, dass es überall nach der Stillen Messe zu beten sei. Dies wurde bis zum II. Vatikanischen Konzil treu befolgt. 

„Eines Tages, nach dem Feiern der Heiligen Messe, fand man Papst Leo XIII. regungslos vor sich hinstarrend vor. Einen Augenblick später war er plötzlich wieder präsent und sperrte sich schnell in seinem privaten Büro ein. Eine halbe Stunde später, als seine Zuarbeiter schon an die Tür klopften um zu fragen, ob alles in Ordnung sei, kam er heraus mit dem fertigen Gebet. Seit diesem Tag war er dafür bekannt, es regelmäßig zu beten.

Was hatte der Papst gesehen, das ihn dazu bewegte, dieses Gebet zu verfassen? Einer Erzählung zufolge hatte er eine Vision von dämonischen Kräften, die Rom umzingelten. Einer anderen zufolge hörte Leo ein Gespräch zwischen Gott und Satan, in dem Gott dem Teufel erlaubte, ein Jahrhundert zu wählen, in dem er sein Schlimmstes tun durfte. Welches Jahrhundert der Widersacher wählte? Das zwanzigste.

Seit den 1930er Jahren haben Artikel in verschiedenen katholischen Publikationen solche Geschichten erzählt. Ob irgendetwas an ihnen wahr ist, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Sie entstanden frühestens 45 Jahre später als das Gebet. Ein Artikel aus den 1950er Jahren gibt zwar den persönlichen Sekretär des Papstes als Quelle an; aber es ist unklar, ob dies zutrifft – es gibt keine Quellen aus den 1880er Jahren, die dies bestätigen würden.“ (CNA)

Das Memorare des Hl. Bernhard

Lateinisch:
Memorare, o piissima Virgo Maria,
non esse auditum a saeculo,
quemquam ad tua currentem praesidia,
tua implorantem auxilia,
tua petentem suffragia, esse derelictum.

Ego tali animatus confidentia,
ad te, Virgo Virginum, Mater,
curro; ad te venio; coram te gemens
peccator assisto.

Noli, Mater Verbi,
verba mea despicere,
sed audi propitia et exaudi.
Amen.

Deutsch:
Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria,
es ist noch nie gehört worden,
dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm,
Deinen Beistand anrief
und um Deine Fürbitte flehte,
von Dir verlassen worden ist.

Von diesem Vertrauen beseelt,
nehme ich meine Zuflucht zu Dir,
o Jungfrau der Jungfrauen, meine Mutter,
zu Dir komme ich, vor Dir stehe ich
als ein sündiger Mensch.

O Mutter des ewigen Wortes,
verschmähe nicht meine Worte,
sondern höre sie gnädig an
und erhöre mich.
Amen.

Anmerkungen: „Nach dem lateinischen Anfangswort Memorare (Gedenke) wird ein Gebet zitiert, das zu den Grundgebeten der römisch-katholischen Kirche gehört und gelegentlich in Andachten gebetet wird. In der eucharistischenLiturgie vor dem 2. Vatikanischen Konzil wurde es auch als Communio gesungen.
Das Memorare ist aus dem heutigen gottesdienstlichen Gebrauch weitgehend verschwunden. Johannes Paul II. hat es in seiner Predigt bei der hl. Messe am 25. März 2000 in der Verkündigungsbasilika in Nazaret auf seiner 91. Auslandsreise zitiert […]
Seine Herkunft ist nicht ganz klar. Oft wird es fälschlich Bernhard von Clairvaux zugeschrieben. Diese Zuschreibung beruht, obwohl wenige Verse der Dichtung auf Gedanken des Heiligen Bernhard anspielen, auf einer Namensverwechslung mit dem französischen Volksmissionar Claude Bernard (1588–1641), der das Gebet auf Gebetszettel gedruckt verbreitete. […]
Obwohl Bernard unbestreitbar als sein Wegbereiter zu gelten hat, wurde das Memorare schon von Franz von Sales verwendet. Das Gebet findet sich bereits in älteren Handschriften aus dem 15. Jahrhundert als Teil des sehr langen Marienhymnus „Ad sanctitatis tuae pedes, dulcissima Virgo Maria“. Dieser ist im Hortulus Animae (15. Jh.), dem Antidotarius Animae des heilkundigen ZisterzienserabtesNicolaus Salicetus[3] († um 1493[4]) und dem Precationum piarum Enchiridon des Simon Verepaeus (1570) nachgewiesen. Wann das Memorare als eigenständiges Gebet ausgegliedert wurde, ist nicht klar belegt.“ (Wikipedia)

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Westritus-Konferenz 2019 in Florida

von Father Aidan Keller

„The ROCOR Western Rite Conference began in the afternoon of Monday, Sept. 30, and lasted through midday on Friday, Oct. 4, 2019.

The Conference was facilitated by Archpriest Mark Rowe, Vicar for Western Rite communities, and both Metropolitan Hilarion (Kapral), first hierarch of the Russian Church Abroad, and Metropolitan Jonah (Paffhausen), former primate of the Orthodox Church in America, were present. Registration was from 1:00 to 5:00 p.m. on the first day, followed by Vespers with the hearing of confessions.

Three men were tonsured as Readers. Many Years to Jacob, Nicholas Gilpin, and Stylianos!

Liturgy for St. Theodore of Canterbury on Tues., Oct. 1, was celebrated by Archpriest Mark Rowe; for the Ember Day in (old calendar) September on Wed., Oct. 2, by Priest Thomas Cook of Great Britain; for departed Abbots and Clergy of the Western rite, a Requiem, on Thur., Oct. 3, by Priest David Kinghorn; and for St. Matthew the apostle and evangelist on Fri., Oct. 4 by Hieromonk Aidan (Keller).

Daily, Terce, Sext, Vespers, and Compline were kept in the Conference hall, which was kept as a chapel throughout the Conference.

There were special work meetings for each of the newly-created Western Rite Deaneries,* as well as the Vicar’s Administrative Council.

On Wed., Metropolitan Jonah met held a partial-day retreat with the matushki (priests‘ wives) at the nearby St. Joseph’s Orthodox Church.

Various kinds of Western rite service books, music, prayer ropes, icons, crosses, etc., were displayed for sale during the Conference by Fr. Lazarus of Stockholm, Sweden; hieromonk Aidan of Texas; and hieromonk David Colburn of Tennessee.

Lectures were given by Metropolitan Jonah (on outreach and mission); Archpriest Mark Rowe (on various topics); Priest Kevin Kirwan, author of ‚Finding Genuine Catholicism in the Orthodox East‘ (on this book and the journey people make to the Church); and Hieromonk Aidan Keller (on characteristics of the older forms of the Roman rite).

There were participants from the United States, including Hawaii; Great Britain; and Scandinavia. Services were held mostly in English, with some Latin chants and an all-Latin Requiem Mass. Chanters included Reader Gildas Meal of Britain and Hieromonk Aidan from Texas. Priests took turns leading the various Hours of the Divine Office.

I believe it is fair to say that the Conference was stimulating in its content; reverent in its prayer; delightful in its fellowship; instructive; and also, it must be admitted, quite tiring, as the days were very full. Many made it to the nearby beaches or to see the sights of beautiful Sarasota. No alligator attacks were reported for our group, and that is always a plus.

Many thanks to Archpriest Mark, Vladyka Hilarion, Fr. David and matushka Patricia Kinghorn; and many others, for a beautiful Conference! We look forward to the next ROCOR-wide Western Rite Conference to occur in 2021. In 2020, the various Deaneries will hold regional conferences.

Finally, in 2020 a grand celebration is planned for the 150-year anniversary of the presence of Western Rite in the Russian Church. More information will be shared as it becomes known.

Deo Gratias! ~ Thanks be to God!.“

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* The new deaneries and their deans are as follows.
Central Deanery — Priest Patrick Lowery, Christ the Saviour, Michigan
Eastern Deanery — Priest David Kinghorn, St. Cuthbert’s, Pawtucket, Rhode Island
Southern Deanery — Archpriest Mark Rowe, St. Joseph’s, Sarasota, Florida
Western Deanery — Priest John Longero, St. Andrew’s, Reno, Nevada
U.K. Deanery — Priest Thomas Cook, St. Edmund’s, Nottingham
Scandinavian Deanery — Hieromonk Serafim Furemalm, Holy Protection, Stockholm
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Vater Sergius Heitz ewigen Angedenkens

Erzpriester Vr. Sergius Heitz
06.06.1908 – 07.10.1998
Ewiges Gedenken!

Aus einer Würdigung von Hypodiakon Nikolaj Thon:

„Sergius Heitz war mit Sicherheit für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten eine der bekanntesten, allerdings gelegentlich auch umstrittensten Persönlichkeiten der Orthodoxie in Deutschland, besonders des deutschsprachigen Elements in ihr, das durch ihn stark geprägt wurde. Nach seinem Verständnis sollte eine Konversion westlicher Christen zur Orthodoxie nicht zur Folge haben, dass der Konvertit seine eigene Kultur, Mentalität und Sprache ablegt, wenn er orthodox wird.

Erzpriester Heitz ging es nach seinen eigenen Aussagen dabei vor allem um den universellen Anspruch der Orthodoxe Kirche. Seine Lebensaufgabe sah er stets darin, der Orthodoxie im Westen einen für alle Christen zugänglichen Raum zu schaffen, weswegen er für unermüdlich die Festigung der deutschen, zumindest einer deutschsprachigen Orthodoxie arbeitete.

Seine Intentionen und Positionen über den Auftrag der Orthodoxen Kirche im Westen, speziell in Deutschland, wie er ihn verstand, erläuterte er einmal in einem Beitrag in den Parochialen Monatsblättern aus Anlass des silbernen Jubiläums der Düsseldorfer Gemeinde so:

Die Orthodoxe Kirche beansprucht in ihrem Bewusstsein und in ihrer Sendung die universal gültige Ausprägung dessen zu sein, was Christentum ist und sein muss. … Das Zeugnis der urchristlichen Wahrheit und Gottesverherrlichung ließ in steigendem Maße Menschen sog. ‚westlicher‘ … oder anderer nicht-östlicher Herkunft ihre geistlich-kirchliche Heimat in der katholischen Orthodoxie finden. …

Orthodoxie hierzulande, in heutigen Zeiten heißt durch ein von Gott gültiges Zeugnis, den existentiellen Zugang zur Fülle — im historischen und metaphysischen Sinn — des urchristlichen Lebens offen zu halten, heißt … ohne auflösende Abstriche, ohne in Missgestaltungen verkrümmt, ohne billige Verdünnungen, ohne zentrifugale Entwicklungen, ohne humanistische (rationalistische, historizistische, ethizistische) Vorbehalte, so wie der Heilige Geist eben diesen weltüberwindenden Glauben mit der Göttlichen Tradition in der alleinigen, heiligen Kirche rein, lebendig und gegenwärtig strömen lässt, heißt … den dreieinigen Gott … anzubeten und Seine Herrlichkeit widerzuspiegeln.
(Orthodoxe Parochie zu den heiligen Erzengeln – Parochiale Monatsblätter für den Monat Juni 1983, Düsseldorf, S. 11 f.)“

Leider scheint seine Vision einer deutschsprachigen Orthodoxie weiter weg denn je zu sein.

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LITERATUR

a) Von Vr. Sergius Heitz (nach der Orthodoxen Bibliothek)

–: Das Gebet der Orthodoxen Kirche, (OROLOGION UND OKTOICH) Tageszeitengebete, Tischgebete, Kommuniongebete, Dienste für die Entschlafenen, Wechseltexte für die gewöhnlichen Sonntage des Kirchenjahres und Zusammenstellung der Tageslesungen, hgg. v. Erzpriester Sergius Heitz, bearb. v. Prof. Dr. Susanne Hausammann, Sonderdruck für die orthodoxen Gemeinden, Köln: Luthe-Verlag (fotomechanische Übertragung) 1981.
Teil 1 Orologion (S. 1-238), Teil 2 Privatgebet (S. 239-391), Teil 3 Oktoich (S. 392-693).

–: Der Orthodoxe Gottesdienst, Band I: Göttliche Liturgie und Sakramente, hgg. v. Erzpriester Sergius Heitz; Mainz: Grünewald-Verlag, S. 1-77; S. 78-177; S. 178-277; S. 278-???; S. ???-???; S. ???-???.

–: Erbsünde und Rechtfertigungin orthodoxer Sicht (maschinenschriftl.).

–: Gottes Kinder heißen wir und sind es, in: Orthodoxie Heute 1978 – 62/63.

–: Mysterium der Anbetung, Bd. I.

–: Mysterium der Anbetung, Bd. III.

–: Parochia – Briefe zu den Festmysterien.

–: Zwischen Altkatholiken und Orthodoxen.

b) Über Vr. Sergius Heitz:

OrthMedien auf youtube:
„Erzpriester Johannes Nothhaas, Vorsteher der deutschsprachigen Gemeinde des Hl. Christophorus in Mainz, erzählt lebhaft vom Wirken des bekannten Geistlichen und Übersetzers Sergius Heitz.
Dabei spricht er den Werdegang der deutschsprachigen Orthodoxie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an. Vortrag im Russischen Haus in Berlin, 6. Dezember 2017, bei der Veranstaltung der Informationsabteilung der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) im Gedenken an Erzpriester Sergius Heitz (1908-1998)“

Art. „Sergius Heitz“ (Wikipedia)

Art. „Sergius Heitz“ (Orthopedia)

In Memoriam Vater Sergius Heitz (Gedenkseite der Orthodoxen Fraternität in Deutschland)

06.12.2017: Konferenz „Erzpriester Sergius Heitz (1908-1998) und der deutschsprachige Gottesdienst“

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Zur Lage der römischen Kirche

Im Kontext der orthodoxen Diaspora-Situation beträfe sowohl die ökumenische Zusammenarbeit als auch indirekt den orthodoxen Westritus, sollte die große römische Kirche von der kirchlichen Überlieferung (Tradition) abweichen und in zentralen Fragen wie der bischöflichen Kirchenleitung oder des dreigeteilten Amtes straucheln und irren.

Daher empfehlen sich folgende theologische Ausführungen zur Lektüre:

Marianne Schlosser erklärt die Unmöglichkeit der Frauenweihe (Die Tagespost vom 23.09.19)

Theologe Menke sieht keinen Spielraum beim Frauenpriestertum „Kirche kann nie Demokratie werden“ (Domradio vom 11.09.19)

Die Einheit der Kirche steht auf dem Spiel (Die Tagespost vom 09.06.19)

Expertendiskussion zur Geschichte der weiblichen Diakone (kat.net vom 10.04.19)

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„It’s not about me“

„It’s not about me“ – „Es geht nicht um mich“. Das ist im Video ein beeindruckender Satz von Vladyka Hilarion (Kapral), dem Ersthierarchen der ROCOR, den sich jeder Bischof, Priester und Laie bei der Christusnachfolge zum Motto wählen kann.

Can you help Vladyka build a monastery? Kannst Du Vladyka helfen, ein Kloster zu bauen?

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