Orthodoxer Katechismus

Der Katechismus galt lange als typisch römisch-katholische Form der Glaubensunterweisung, man denke etwa an den Catechismus Romanus von 1566. Er hat seine Vorläufer in ähnlich systematisierenden Glaubensdarstellungen z. B. bei Thomas von Aquin und Petrus Canisius.

Doch schon Augustinus hatte für die mündliche Unterweisung von Katechumenen die Bezeichnung „Catechismus“ verwendet, die dann auch auf ihre zunehmende schriftliche Fixierung überging.

Der Katechismus war als Mittel der Glaubensunterweisung derart erfolgreich, dass ihn auch die protestantischen Reformatoren zur Verbreitung ihrer Glaubenslehren benutzten. Bekannt sind Calvins Catéchisme von 1542 und davor natürlich Luthers Catechismus von 1529, dem der Heidelberger Katechismus 1563 folgte.

Orthodoxe Katechismen

Erst vergleichsweise spät hat die Orthodoxie dieses Medium für sich entdeckt. Heute gibt es auf Deutsch mehrere orthodoxe Katechismen, u.a. Orthodoxe Katechese (1975), Gott ist lebendig (2. Aufl. 2007) und in Kurzform die Glaubenslehre, formuliert von der orthodoxen Kirchengemeinde St. Michael zu Göttingen.
Ferner liegt seit 2017 ein Entwurf für einen „Katechismus der russisch-orthodoxen Kirche“ vor. 

Historisch einflussreich sind in der russischen Kirche vor allem zwei Katechismen gewesen. Der eine ist der heute noch vielfach genutzte Text ist der Katechismus von 1823, den der damalige Moskauer Metropolit Filaret (Drozdow) verfasste. „In der Auseinandersetzung zwischen “Slawophilen” und “Westlern” sei der jahrzehntelang tätige Metropolit im Dialog mit den großen Namen beider Seiten – von Puschkin bis Turgenjew – gewesen“ (aaO.).

Der andere stammt von 1640 und aus der Feder des Kiewer Metropoliten Petro (Mohyla) oder latinisiert Petrus Mogila.

Die „Confessio orthodoxa“ des Petro Mohyla

Aus dem oben zitierten Beitrag von Pro Oriente: „Im 17. Jahrhundert habe der Metropolit von Kiew, Petr (Mogila), in der Auseinandersetzung mit der Scholastik der lateinischen Kirche und mit den protestantischen Tendenzen der Zeit das “Orthodoxe Bekenntnis” verfasst. Der Metropolit sei der erste gewesen, der den Begriff der “katholischen” Kirche im Credo (dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis aller christlichen Kirchen) mit dem russischen Ausdruck “sobornaja” (konziliar, universal) wiedergegeben habe. Mit dieser Formel und anderen Vorschlägen habe der große Kiewer Metropolit die russische Tradition als “Ort des Dialogs und der Synthese” hervorheben wollen, was ihm auch positive Reaktionen aus Rom eingetragen habe“.

Auch J. J. Overbeck kannte Mohylas Katechismus und erkannte seine Bedeutung bzw. die Chancen einer Neuauflage. Daher gab er die erste englische Übersetzung von 1772, die Philip Lodvel (Ludvile) zugeschrieben wird und das erste namentlich zuschreibbare Werk über die Glaubenslehre und -praxis der orthodoxen Kirche auf Englisch darstellt, 1898 neu heraus und überarbeitete sie unter dem Titel „The Orthodox Confession of the Catholic and Apostolic Eastern Church from the Version of Peter Mogila“.

1772 erschien ebenfalls die erste deutsche Übersetzung [Liber symbolicus russorum oder Der grössere Katechismus der Russen […]. Übers. v. Johann Leonhard Frisch. Frankfurt/Leipzig 1727]. Sie findet sich zusammen mit der griechisch-lateinischen Ausgabe von 1751, die von K. Dippmann als Reprint mit Kommentierung  wieder aufgelegt wurde [Dippmann, Klaus J.: Petrus Mohylas Großer Katechismus. Analyse und Reprint der griechisch-lateinisch-deutschen Ausgabe von 1751. Berlin 1990].

Träume eines orthodoxen Edelmannes: die Einheit von Ost und West

Ein weiteres wichtiges Werk von Petro Mohyla wurde erst 1928 in Rom im Archiv der damaligen Congregatio de Propaganda Fide (heute Kongregation für die Evangelisierung der Völker) gefunden: die Sententia cuiusdam Nobilis Poloni Graecae Religionis, also die Sentenzen eine orthodoxen polnischen Edelmannes

Dieser Schrift wurde ursprünglich Petro Mohyla allein zugeschrieben, doch inzwischen „kann man davon ausgehen, dass es sich um ein Gemeinschaftswerk des jeweils kirchlichen und weltlichen Oberhaupts der Orthodoxen in Polen-Litauen handelt, von Petro Mohyla und dem wolhynischen Magnaten Adam Kysil“ (A. Brüning: Ökumene i. d. Adelsrep., 289).

Leibniz: Brief eines poln.  E.; Union

Die Bedeutung Petro Mohylas für Ost und West

Text folgt.

Literatur:

Zu Petro Mohyla:

  1. Petro Mohyla (Wikipedia, dt.)
  2. Petro Mohyla (Orthopedia, dt.)
  3. Peter Mogila (Wikipedia, engl.)
  4. Mohyla, Peter (Encyclopedia of Ukraine, engl.)
  5. Peter Mohyla (Encyclopaedia Britannica, engl.)

Zur Confessio Orthodoxa:

  1. Liber symbolicus russorum oder Der grössere Katechismus der Russen […]. Übers. v. Johann Leonhard Frisch. Frankfurt/Leipzig 1727
  2. Brüning, Alfons:
  3. Dippmann, Klaus J.:
  4. A. Malvy / M. Viller: La Confession Orthodoxe de Piere Moghila (= Orientalia Christiana 39), Rom 1927. [andere lat. Version der CO]
  5. Overbeck, J. J.: The Orthodox Confession of the Catholic and Apostolic Eastern Church from the Version of Peter Mogila, London 1898.
  6. Partykevich, Andre: Metropolitan Petro Mohyla and the Orthodox Confession of Faith (English Edition), Kindle Ausgabe.    

Zur Sententia cuiusdam Nobilis Poloni Graecae Religionis:

  1. Smurlo, Evgenij: Le Saint-Siege et l’Orient Orthodoxe Russe (1609-1654), Teil 1, Bd. 2, Prag 1928, 163-169.
  2. Welyky