FAQ

Eine ausführliche Darstellung der folgenden Fragen findet sich hier.

FAQ – Häufig gestellte Fragen (Frequently asked questions)

Wie kann der westliche Ritus (WR) denn richtig orthodox sein?
In den ersten tausend Jahren bis 1054 existierten verschiedene Riten nebeneinander in der einen Kirche. Niemand im Osten hat je dem Papst vorgeworfen, seine Liturgie sei unwürdig, falsch oder sogar häretisch. 
Selbst bis 1759 anerkannten die orthodoxen Teilkirchen die römisch-katholischen Sakramente als vollgültig an. Auch heute gilt der orthodoxe Vorwurf der Häresie allein der römischen Lehre, nicht jedoch der Form ihrer Sakramentenspendung. 

Braucht es in der Orthodoxie den WR?
Die Orthodoxie kennt bereits mehrere Liturgien und Riten. So werden neben der Chrysostomus-Liturgie z. B. auch die Basilius-, die Markus- und die Jakobus-Liturgie in orthodoxen Kirchen gefeiert.
Die altehrwürdige Gregorius-Liturgie und andere westliche Liturgien des ersten Jahrtausends braucht es in der Orthodoxie, damit getaufte Christen der westlichen Tradtion, die zur orthodoxen Kirche kommen wollen, eine Heimat finden in teils sehr national geprägten orthodoxen Gemeinden.

Man kann verstehen, dass früher kompletten westlichen Gemeinden, die zur Orthodoxie zurückkehrten, ihr Ritus weiterhin gestattet wurde.
Aber ist dies heute noch nötig, wo es mittlerweile in jeder großen Stadt mindestens eine orthodoxe Kirche mit byzantinischem Ritus gibt?
Jeder Christ kann noch andächtiger an der Liturgie teilnehmen, wenn er sie in seiner eigenen Sprache hört. Die Liturgie in der jeweiligen Landessprache ist ein frühes orthodoxes Prinzip, weshalb die Griechen auf Griechisch, die Russen auf Russisch bzw. Kirchenslawisch und andere Völker in ihrer Sprache die Liturgie feiern.
In Deutschland gibt es für die wachsende Zahl der deutschsprachigen Orthodoxen allerdings nur wenige Gemeinden, in denen die Chrysostomus-Liturgie ganz auf Deutsch gefeiert wird.
Zudem ist die Chrysostomus-Liturgie denen, die aus einer westlichen Kirche in die Orthodoxie finden, zunächst fremd. Wie oben beschrieben, ist die westliche Liturgie orthodox, wo sie von einem orthodoxen Priester gefeiert wird. Orthodox zu sein, ist also keine Frage der Liturgie, sondern der Kirchenzugehörigkeit. 
Dies sind somit zwei wichtige Argumente (eigene Sprache und vertraute Riten), um eine westliche Liturgie in der jeweiligen Landessprache innerhalb der Orthodoxie zu gestatten. 

Ist der WR nicht eine Form von orthodoxem Uniatismus und damit abzulehnen?
Beides – Uniatismus und WR – lässt sich nicht richtig miteinander vergleichen.
Denn bei den Uniaten oder Unierten handelt es sich um orthodoxe Christen, die aus ehemals politischen Gründen größtenteils in eine andere Kirche  – nämlich zur römisch-katholischen Kirche – gezwungen wurden.
Bei den Gläubigen des WR handelt es dagegen sich um Christen derselben, nämlich der orthodoxen Kirche, also um Orthodoxe. Sie wurden auch nicht durch Zwang orthodox, sondern aufgrund von Einsicht und freiwillig
Aus denselben Gründen würde auch der Vorwurf des „Ökumenismus“ den WR nicht betreffen. 

Weitere Informationen:
Zwei Interviews mit Bischof em. Jerome, der früher für den WR in der ROCOR zuständig war: 
On the Western Rite in the ROCOR 
– Bishop Jerome: Between East and West 
Weitere Ausführungen:
In Defense of Western Rite Orthodoxy
What Do We Make of the Western Rite?
Fr. Alexander Schmemann and the Western Rite
http://christminster.org/Frequently-Asked-Questions/frequently-asked-questions.html

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