Beichte

Der Reihenfolge nach ist die Beichte im Grunde das erste Sakrament, das ein Christ empfängt. Denn zu der Zeit, in der überwiegend Erwachsene getauft wurden, bekannten sie vor ihrer Taufe ihre Sünden.
Dies führte zu der irrigen Ansicht, die Taufe an sich sei in hohem Maße sündenvergeben, weshalb sich auch mancher Kaiser erst auf dem Sterbebett taufen ließ.
In dem Exorzismus des Taufritus („Widersagst Du dem Bösen und all seinen Verlockeungen?“ usw.), den bei einer Säuglingstaufe die Paten stellvertretend für den Säugling sprechen, scheint sein Buß- und Bekenntnischarakter noch auf.

Hermann Hesse „Der Beichvater“;
Hugo Ball: Byzantinisches Christentum. Drei Heiligenleben, München: Kösel & Pustet 1931 [OA: 1927].  

Kleine Geschichte der Beichte: anfangs öffentlich

Gebete zur Vorbereitung auf die Beichte

Allgemeine Gebete (und auch hier)
Buß-Akathistos

Die 10 Gebote (nach orthodoxer Zählung) (Exodus 20, 1-17)

  1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!
  2. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!
  3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen!
  4. Gedenke des siebten Tages und heilige ihn! Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun.
  5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!
  6. Du sollst nicht töten!
  7. Du sollst nicht ehebrechen!
  8. Du sollst nicht stehlen!
  9. Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!
  10. Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten Hab und Gut! Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Acker, nach seinem Sklaven, seinem Vieh oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört. 

Der Ritus der Beichte (nach Sergius Heitz: Mysterium der Anbetung III)

Beichte und Absolution

Der Priester tritt, bekleidet mit dem Epitrachilion, zu dem für die Beichte bestimmten Platz vor der Ikonostase auf der GottesmutterSeite (d.h. im Norden). Er trägt Evangelienbuch (oder eine Christusikone) und Kreuz und legt diese auf ein Analogion vor sich hin. Er steht nach Osten gewendet, mit Blick auf eine Ikone.
Er macht drei Kleine Metanien, küsst das Evangelienbuch und das Kreuz und spricht nach dem Einleitungsgebet, nachdem der erste Beichtende herangetreten ist und Evangelienbuch und Kreuz geküsst hat:

P: Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser! Jeder Entschuldigung bar, bringen wir, Sünder, Dir, Gebieter, dieses Gebet dar: Erbarme Dich unser!

Der Büßende indes spricht beim Küssen von Evangelienbuch und Kreuz, indem auch er drei Kleine Metanien macht:

B: Gott, sei mir Sünder gnädig und erbarme Dich meiner! Der Du mich erschaffen hast, Herr, erbarme Dich meiner! Ohne Zahl sind meine Sünden, o Herr, vergib mir!

Dann spricht er neben dem Beichtvater stehend das Beichtbekenntnis, beispielsweise in folgender Art:

B: Ich bekenne vor Gott, dem Allmächtigen und Allgütigen, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, dass ich gesündigt habe in bezug auf das Gebot der Liebe zu Gott, der Liebe zu meinen Nächsten und der rechten Liebe zu mir selbst.

Ich habe gesündigt gegenüber Gott, da ich mich von der Liebe Gottes nicht habe ergreifen und verwandeln lassen und nicht in dieser Liebe geblieben bin, in festem Glauben und unablässigem Gebet.

Ich habe mein Tun, Reden und Denken nicht vom Glauben bestimmt sein lassen. Vom kirchlichen und täglichen Gebet habe ich mich abhalten und ablenken lassen; das Herzensgebet habe ich vernachlässigt… (usf.)

Ich habe gesündigt gegenüber meinen Nächsten durch Selbstsucht, mangelnde Offenheit, fehlende Hilfsbereitschaft… (usf.)

Ich habe gesündigt gegenüber meiner Bestimmung, in Glaube, Liebe und Hoffnung Gott entgegenzuwachsen, dadurch dass ich dem Hochmut, der Trägheit, der Ungeduld und der Herzenshärte in mir Raum gegeben habe… (usf.)

Ich sündige auch jetzt in diesem Bekenntnis, da ich meinen Zustand vor Gott nicht wahrhaft bereue und beweine, wie ich müsste, und nicht fest genug glaube an Seine Vergebung und Sein erneuerndes Kommen im Heiligen Geist.

Auf die Fürbitten der allheiligen Gottesgebärerin, des(r) heiligen N. N. (Patron der Kirche oder Namenspatron des Beichtvaters), des heiligen N. (eigener Namenspatron) und aller Heiligen, bitte ich den Herrn um Vergebung der Sünden und Erneuerung im Heiligen Geist.

Nachdem der Beichtvater die Ermahnungen beendet und gegebenenfalls eine seelsorgerliche Epitimie (Auflage) erteilt hat, spricht er:

P: Lasset zum Herrn uns beten!

Der Büßende kniet nieder und antwortet:

B: Kyrie eleison!  

Nun spricht der Priester das Absolutionsgebet in deprekativer Form, indem er dem Beichtenden das Epitrachilion aufs Haupt legt und darauf seine Hand hält und ein Gebet etwa folgender Art spricht:

P: Herr, unser Gott, Du hast dem David die Sünde nachgelassen, der Buhlerin die Tränen getrocknet, dem Petrus die Verleugnung verziehen, dem Räuber aber das Paradies geöffnet, Du Selbst lass nach und vergib Deinem Knechte N. (Deiner Magd N.), was er (sie) gesündigt in Gedanken, Worten, Werken und Unterlassungen, vereinige ihn (sie) immer tiefer mit Dir, erneuere in ihm (ihr) Deinen Heiligen Geist und gewähre ihm (ihr) das ewige Leben.

Der Priester macht das heilige Kreuzeszeichen auf das Haupt des (der) Büßenden, während er die Ekphonese spricht:

Denn Dein ist es, Dich zu erbarmen und uns zu erretten, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, sowie Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen und guten und lebendigmachenden Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der (die) Versöhnte: Amen.

Der Priester hilft dem Versöhnten beim Aufstehen. Das ist symbolisch zu verstehen: er hilft ihm auf. Danach küsst der Versöhnte das Evangelium, das Kreuz, das Epitrachil und die Hand des Priesters. Der Priester seinerseits verbeugt sich vor dem durch den Heiligen Geist Erneuerten und entlässt ihn.  

Formel für den Fall, dass der Gläubige durch Auferlegung einer Epitimie für eine Zeit von der Kommunion ausgeschlossen wird:

Kind (Gottes), so und so lange gebiete ich gemäß der göttlichen und heiligen Gesetze, die heilige Kommunion nicht zu empfangen, sondern nur das bei der Großen Weihe gesegnete Wasser zu trinken. Wenn du dich nun der heiligen Kommunion enthältst, so werden deine Sünden erlassen; wenn du aber das Gebot übertrittst und kommunizierst, so bist du ein zweiter Judas. Bist du aber krank auf den Tod, so kommuniziere. Wenn du aber gesund wirst, so nimm wieder die angeordnete Zeit auf dich und erfülle das verordnete Maß.

Links:
https://www.orthodoxe-kirche-albstadt.de/unser-glaube/die-beichte/