Orthodoxer Ethnophyletismus als „Integrationshindernis“

Am 6. Januar 2020 gab der serbisch-orthodoxe Bischof Grigorije Duric (Düsseldorf) im Deutschlandfunk ein beachtenswertes Interview, in dem er gegen den auch in der Orthodoxie in Deutschland vorhandenen Ethnophyletismus (Nationalismus) und im Blick auf die nachwachsenden Generationen für die stärkere Verwendung von Deutsch in der Liturgie eintrat. Von sich und seinen Priestern verlangt er, Deutsch möglichst gut zu beherrschen.

Ein Schild, das nicht nur für Griechen und Philhellenen verstehbar ist. (Bild)

Obgleich Bischof Grigorije den Begriff Ethnophyletismus nicht verwendete, beschrieb er genau jene nationalistische Haltung, die bereits 1872 auf der Panorthodoxen Synode in Konstantinopel verurteilt wurde.
Auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios von Austria nannte seine Überwindung eine große Herausforderung unserer Zeit, um die Einheit der Orthodoxie in der Diaspora herzustellen.

Die Gedanken der beiden Bischöfe sind vermutlich vor dem Hintergrund anhaltender gesellschaftlicher Diskussionen zu verstehen.
So plant die deutsche Bundesregierung nach einem Entwurf, der dem Kabinett am 6. November 2019 vorgelegt wurde, eine neue Beschäftigungs- und Aufenthaltsverordnung, nach der „ausländische Religionsbedienstete“, die nicht aus der EU nach Deutschland kommen, „hinreichende“ Deutschkenntnisse nachweisen sollen. Absicht ist, durch ein solches Gesetz „einen wichtigen Beitrag zu erfolgreichen Integration in Deutschland“ zu ermöglichen.

Im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes wären davon Geistliche aller Religionen betroffen, so dass die Deutsche Bischofskonferenz angesichts vieler Priester aus Indien und Afrika bereits vor zu hohen Hürden warnte. Inwieweit die geplante Verordnung auch orthodoxe Geistliche, die etwa aus Russland oder Syrien stammen, betrifft, bleibt abzuwarten.

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